Ausgabe August 2013

Öcalan und Erdogan: Auf dem Weg zum »osmanischen Frieden«?

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan steht zunehmend unter Druck. Sowohl im eigenen Land als auch in der Europäischen Union stößt die brutale Niederschlagung der Proteste im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz in Istanbul auf Unverständnis. Die unnachgiebige Haltung Erdogans belastet auch die ohnehin schwierigen Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei. Bei all dem gerät ein ganz anderer Konflikt aus dem Blickfeld: Der zwischen der türkischen Regierung und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Erstmals seit dessen Beginn im Jahr 1984 scheint eine politische Lösung zum Greifen nah.

Bereits zum kurdischen Newrozfest am 21. März dieses Jahres hatte der Anführer der PKK, Abdullah Öcalan, aus dem Gefängnis heraus die PKK-Führung zur Beendigung des bewaffneten Kampfes aufgefordert. Diesem Aufruf folgte die PKK-Führung: Sie hat einen Waffenstillstand ausgerufen und sogleich mit dem Rückzug der etwa 2000 Kämpfer aus der Türkei in ihre Lager im benachbarten Irakisch-Kurdistan begonnen.

Zwar ist ein solcher Schritt für die PKK nicht neu: Seit dem ersten Waffenstillstand im März 1993 hat die Organisation schon insgesamt acht Mal einen Waffenstillstand verkündet.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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