Ausgabe Februar 2013

Die Dritte Welt ist überall

Dass Strukturmerkmale, die für die unterentwickelten Länder vor den dortigen angeblichen „Wirtschaftswundern“ charakteristisch waren,[1] sich mittlerweile weltweit ausbreiten, ist ein nicht mehr zu übersehendes Phänomen. Diese Tiers-Mondialisation erfasst inzwischen den gesamten Norden, also die bis heute als „entwickelt“ bezeichneten Länder. Und sie macht auch vor der gegenwärtig noch „dominanten“ Macht, den Vereinigten Staaten, nicht Halt. Die „Tiers-Mondialisation des Planeten“[2] bedeutet die globale Zerstörung der Mittelschichten und die Polarisierung aller Gesellschaften. Die ganze Welt versinkt in einem Reichtums-Armuts-Dualismus, wie er zuvor allein die Dritte Welt kennzeichnete.

Die Zahl der Autoren, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen, wächst beständig.[3] Sie widmen sich den Deindustrialisierungsprozessen, der steigenden Arbeitslosigkeit, der Verschlechterung der öffentlichen Dienstleistungen, der schleichenden (Selbst-)Abschaffung der Mittelschichten, der Verarmung der Massen, dem Verrat der Eliten usw. usw. Doch am deutlichsten tritt die Entwicklung in den Städten zutage, die sich nach einer Blütezeit während der Trente glorieuses, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der 70er Jahre, seit dem Beginn der neoliberalen Globalisierung im Niedergang befinden.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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