Ausgabe Februar 2013

Die Dritte Welt ist überall

Dass Strukturmerkmale, die für die unterentwickelten Länder vor den dortigen angeblichen „Wirtschaftswundern“ charakteristisch waren,[1] sich mittlerweile weltweit ausbreiten, ist ein nicht mehr zu übersehendes Phänomen. Diese Tiers-Mondialisation erfasst inzwischen den gesamten Norden, also die bis heute als „entwickelt“ bezeichneten Länder. Und sie macht auch vor der gegenwärtig noch „dominanten“ Macht, den Vereinigten Staaten, nicht Halt. Die „Tiers-Mondialisation des Planeten“[2] bedeutet die globale Zerstörung der Mittelschichten und die Polarisierung aller Gesellschaften. Die ganze Welt versinkt in einem Reichtums-Armuts-Dualismus, wie er zuvor allein die Dritte Welt kennzeichnete.

Die Zahl der Autoren, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen, wächst beständig.[3] Sie widmen sich den Deindustrialisierungsprozessen, der steigenden Arbeitslosigkeit, der Verschlechterung der öffentlichen Dienstleistungen, der schleichenden (Selbst-)Abschaffung der Mittelschichten, der Verarmung der Massen, dem Verrat der Eliten usw. usw. Doch am deutlichsten tritt die Entwicklung in den Städten zutage, die sich nach einer Blütezeit während der Trente glorieuses, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der 70er Jahre, seit dem Beginn der neoliberalen Globalisierung im Niedergang befinden.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema