Ausgabe Februar 2013

Vom Klassenkampf zum Wettbewerbskorporatismus

Die Große Transformation der Gewerkschaften

Die politischen Klassenorganisationen, also die proletarischen Parteien, sind im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts entweder in eine tiefe Krise geraten oder haben sich faktisch aufgelöst (so die einst großen kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien). Die sozialdemokratischen Parteien, die noch immer eine gewisse Bindung zumindest an die Wähler aus der Arbeiterklasse bewahrt haben, verwandelten sich dagegen in Agenturen des marktradikalen Neoliberalismus (New Labour, Blair-Schröder-Papier).[1] Gewerkschaften waren und sind dagegen kaum in der Lage, an Stelle der politischen Organisationen gleichsam autonom im politischen Raum zu wirken. In der Regel reflektiert die Struktur der Gewerkschaften als Richtungs- und/oder Berufs- und Branchenverbänden vielmehr auch die politische und professionelle Fragmentierung der Lohnarbeiter-Interessen.

In der Bundesrepublik Deutschland war der Neuaufbau der Gewerkschaften nach Faschismus und Krieg durch die Entscheidung für die Einheitsgewerkschaft und den Zusammenschluss von Industrieverbänden unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) geprägt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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