Bild: Luftaufnahme des Amazonas. Die Rodung des Regenwaldes wird maßgeblich durch industrielle Landwirtschaft vorangetrieben. (IMAGO / Pond5 Images)
Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt«, erklärte Ursula von der Leyen am 17. Januar feierlich bei der Unterzeichnungszeremonie in Paraguays Hauptstadt Asunción: »Wir wählen fairen Handel statt Zölle.« Doch kaum war die Tinte unter dem EU-Mercosur-Vertrag getrocknet, überwies das Europäische Parlament (EP) ihn am 21. Januar per Resolution zur rechtlichen Prüfung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Die Entscheidung des EP über die Ratifizierung könnte sich damit um bis zu zwei Jahre verschieben. Die Schockwellen erreichten nicht nur das parallel stattfindende Weltwirtschaftsforum in Davos, sondern erschütterten auch Bündnis 90/ Die Grünen, deren Europaabgeordnete mehrheitlich für die Resolution gestimmt hatten. Dafür hagelte es Kritik aus der eigenen Parteispitze und am schärfsten von Jürgen Trittin: Acht deutsche Grüne hätten dazu beigetragen, »dass rechte Bauernlobby und Anti-Europäer mit zehn Stimmen Mehrheit einen Schritt zu mehr Souveränität der EU blockieren konnten«. Doch so schroff die Tonlage, so undifferenziert sind die Vorwürfe in der Sache.
Zwar ist das Argument, dass die EU nach der Entscheidung des EP einmal mehr als gespalten und schwach dastehe, durchaus ernst zu nehmen. Aber die Kritik an dem Abkommen und die potenziellen Folgen seiner vorschnellen Anwendung wiegen ebenfalls schwer. Denn das Abkommen stößt keineswegs nur bei einer »rechten Bauernlobby und Anti-Europäern« auf Widerstand.