Ausgabe Dezember 2014

Die Ungleichheitsmaschine: Markt, Kapital und Herrschaft

Mathias Greffrath: Lieber Thomas Piketty, eines haben Sie mit dieser wunderbaren tour d’horizon von der französischen Revolution bis zur Lage der gegenwärtigen Wirtschaftswissenschaften bereits geschafft, nämlich den Vorwurf von Brad DeLong zu entkräften. Der ehemalige stellvertretende Finanzminister der USA hatte als Reaktion auf Ihr Buch gesagt: Bei Thomas Piketty handelt es sich um einen „mentally unstable foreign communist“.

Schauen wir uns also vor dem Hintergrund des Vortrags Ihre Überlegungen etwas genauer an. Die erste Frage geht an den Theoriehistoriker, also an Joseph Vogl. Wir wollen jetzt kein Marx-Seminar machen, aber dass Pikettys „Kapital im 21. Jahrhundert“ dem Marxschen „Kapital“ zur Kritik der politischen Ökonomie schon im Titel ähnelt, ist mit Sicherheit kein Zufall. Wie sehen Sie das Verhältnis dieser zwei Bücher? Ist Pikettys Werk eine Weiterschreibung, eine Ergänzung, eine empirische Aktualisierung? Immerhin gibt es ja einige Gemeinsamkeiten. Beide lieben offensichtlich Balzac, beide sehen im Kapitalismus eine welthistorische Fortschrittsgeschichte, und beide sind der Auffassung, dass die inhärente Tendenz des Kapitals zur Konzentration, das sogenannte freie Spiel der Marktkräfte, irgendwann in unerträglichen Spaltungen der Gesellschaft endet.

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