Ausgabe November 2014

Ein deutscher Sonderweg – und ob!

In der letzten Ausgabe der »Blätter« kritisierte der Historiker Tim B. Müller die These vom „deutschen Sonderweg“, nach dem spezifisch deutsche Traditionen in den Nationalsozialismus geführt haben. Darauf antwortet nicht minder kritisch »Blätter«-Herausgeber Detlef Hensche.

In Krisenzeiten wächst der Bedarf an Orientierung. Die Geschichtswissenschaft will uns da nicht im Stich lassen. Nachdem wir gestern Entlastendes über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfuhren, lesen wir nunmehr Ähnliches über den Untergang der Weimarer Demokratie. Der Machtantritt der Nationalsozialisten war demnach bloß Ergebnis „verfehlten Krisenmanagements“: eine „Kette falscher Entscheidungen von Hindenburg, Papen und einigen anderen Antidemokraten“, deren Aufstieg ins Zentrum der Macht erst durch das Versagen der Regierung Brüning möglich geworden sei. Andere Kräfte und Faktoren, so Tim B. Müller weiter, seien nicht am Werk gewesen, von einem angeblichen „deutschen Sonderweg“ und der mit ihm konnotierten „Untertanengesellschaft“ könne keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Entstehungsmöglichkeiten der eigentlich durchaus stabilen Weimarer Demokratie seien bereits im Wilhelminischen Reich gelegt worden.

Die Sichtweise verblüfft. Das Ergebnis ist eine entkernte Geschichte.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema