Ausgabe Februar 2015

Delhi: Versuchslabor des Kapitalismus

Rana Dasgupta ist in England geboren. Sein Vater ist Inder, der allerdings als junger Mann Delhi verlassen musste, weil Rana Dasguptas Großvater die Familie nicht mehr ernähren konnte. Dasguptas Vater entschied sich 1961, Richtung Europa einzuschiffen. Zu seinem Vorteil konnte er Englisch, weil er aus einem gebildeten Haushalt stammte, in dem bei Tisch Englisch gesprochen wurde. Er machte Karriere bei einem multinationalen Unternehmen in England und lernte eine junge Engländerin kennen. Sie wurde Rana Dasguptas Mutter.

Das alles erfährt man in dessen Buch „Delhi – Der Rausch des Geldes“, das von Barbara Heller und Rudolf Hermstein ganz wunderbar ins Deutsche übersetzt wurde. Rana Dasgupta selbst ist ein Schriftsteller, aufgewachsen in Cambridge, der nach dem Studium bei einer Marketingberatung in New York arbeitete. Seit dem Jahr 2000 lebt er dort, wo sein Vater herkommt – in Delhi. Er fuhr eigentlich nur wegen einer jungen Frau dorthin, in die er sich noch in New York verliebt hatte.

Dass Dasgupta in erster Linie Romanautor ist, merkt man seinem Buch in fast jeder Zeile an. Es ist ein persönliches Buch und ein expressives Porträt einer Stadt, ihrer Entstehung, ihrer Entwicklung und ihres Ist-Zustands am Anfang der 2010er Jahre. Es ist, und daraus schöpft es seine Kraft, ein Buch, das seinen Gegenstand einer leidenschaftlichen Betrachtung unterzieht.

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In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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