Ausgabe Februar 2015

Kooperieren oder scheitern

Zum Tode von Ulrich Beck

Am 1. Januar starb im Alter von 70 Jahren der große Zeitdiagnostiker und Soziologe Ulrich Beck. Nur sechs Tage später wurde mit den Anschlägen von Paris seine zentrale Kategorie dramatisch bestätigt, nämlich die Weltrisikogesellschaft, in der Konflikte keinerlei Grenzen mehr kennen. Globalisierung und Individualisierung waren die beiden Pole des Soziologen Beck, das »kosmopolitische Europa« Ziel und Vision des engagierten Intellektuellen, streitbar verfochten auch gegen den herrschenden »Merkiavellismus«, so die typisch Becksche Begriffsprägung.
In den letzten Jahren leitete Ulrich Beck ein großes Projekt des Europäischen Forschungsrats mit dem Ziel der Entwicklung eines »Methodologischen Kosmopolitismus«. Dessen Quintessenz lautete, theoretisch wie politisch: »Kooperieren oder scheitern«. Der gleichnamige, hier gekürzt (und auf www.blaetter.de in voller Länge) wiedergegebene »Blätter«-Artikel aus dem Februar 2011 liest sich daher auch ein wenig wie ein Vermächtnis Ulrich Becks. – D. Red.

Wenn eine Weltordnung zusammenbricht, beginnt das Nachdenken darüber.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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