Ausgabe Juli 2015

Der Gipfel der Illusionen

Dass sich beim Treffen der „Mächtigsten der Erde“ fast alles um die Kunst der Inszenierung dreht, hatte ja bereits der Gipfel von 2013 bewiesen. Damals wurden rund um das nordirische Enniskillen massenweise leerstehende Läden kurzerhand in blühende Geschäftsstraßen verwandelt – durch aufgepappte Fototapete. Doch Elmau hat Enniskillen noch getoppt: Die deutsche Gastgeberin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, ließ es sich nicht nehmen, sogar einen „echten“ Biergarten aus dem Hut und auf den eigentlich leeren Marktplatz von Krün zu zaubern – als ob Bayern nicht über hinreichend originale Trinkanstalten verfügte.

Kein Zweifel: Der edle Graf Potemkin hätte seine Freude gehabt. Aber als Russe hatte er ja Hausverbot. Dieses Mal blieb die „westliche Wertegemeinschaft“ ganz unter sich – zur Freude ihrer Protagonisten und Propagandisten. „Elmau lässt den Westen leuchten“, jubilierte der alte Nato-Stratege und ambitionierte Syrien-Befreier Richard Herzinger in der „Welt“. Denn: „Grundsätzliches wurde zurechtgerückt: Unter Freunden mag es Konflikte geben, die wahre Gefahr für die offenen Gesellschaften geht jedoch von ganz anderen Kräften aus.“

Hier zeigt sich wieder einmal das wunderbar Verführerische des kleinen Wörtchens „mag“: Ein ungeheures Skandalon wird einfach weggezaubert.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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