Ausgabe November 2015

Flüchtlingsdebatte: Das Unbehagen wächst

In der Oktober-Ausgabe der »Blätter« plädierten Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie sowie Albrecht von Lucke für einen offenen und offensiven Umgang mit der historischen Herausforderung der Flucht. Unkritisch erscheint dies dem Gründungsmitglied der Grünen Eckhard Stratmann-Mertens.

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte dominiert auf der Linken der gutmeinende Common Sense, Deutschland sowie die EU seien nun einmal bereits Einwanderungsregionen und sollten es auch in Zukunft umso mehr sein. Unter diesem Vorzeichen erörterten auch die bisherigen Beiträge in den „Blättern“ die Herausforderung Deutschlands bzw. der EU durch die aktuelle Flüchtlingskrise.

Aktuell, so Cohn-Bendit und Leggewie, sei „die sofortige Legalisierung der in Deutschland gelandeten Flüchtlinge“ erforderlich, die Rückführung von Hunderttausenden Balkanflüchtlingen sei „blanke Illusion“, weitere Millionen Menschen würden „in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aus den unterschiedlichsten Gründen und Regionen nach Europa kommen“. Statt Abschottung gegenüber den Flüchtlingen komme es zentral auf einen – wenn auch schwierigen und mit Enttäuschungen verbundenen – Integrationsprozess als Großaufgabe der Gesellschaft an.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.