Ausgabe November 2015

Maden in Deutschland

Das hat der Standort Deutschland noch nicht erlebt: Der Inbegriff des Labels „Made in Germany“, der VW-Konzern in Wolfsburg, wird der millionenfachen Abgasdatenmanipulation überführt und sein Chef, der eben noch allmächtige Vorstandsvorsitzende Mar- tin Winterkorn, umgehend vom Aufsichtsrat entlassen. So weit, so konsequent. Doch was macht der neue „Hoffnungsträger“, Ex-Porsche-Chef Matthias Müller?

Er fährt zur ersten Sitzung des Aufsichtsrats gleich im 520 PS starken Porsche vor. Wer wollte da von Pro- blembewusstsein sprechen? Denn was in der VW-Krise umgehend unter den Teppich gekehrt wurde, ist der eigentliche Skandal – die Legende von der angeblich so grünen Automobilindustrie. Seit Jahren sind die tatsächlichen Emissionswerte, und keineswegs nur die bei VW, um ein Vielfaches höher als die ausgewiesenen. Fest steht: Mit einem derart hochgetunten Individualverkehr werden sämtliche CO2-Ziele zu reiner Phantasie – ganz unabhängig davon, welche Vereinbarungen im Dezember auf der Weltklimakonferenz in Paris beschlossen werden sollten.

Die nächsten Flüchtlingswellen, diesmal aus ökologischen Gründen, sind damit bereits garantiert. Doch die deutsche Automobilbranche lässt all das kalt. Schließlich sind Auflagen dazu da, umgangen zu werden, wie der Fall VW eindrucksvoll beweist.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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