Ausgabe April 2016

Der Preis der Mutterschaft

Warum so wenige Frauen ganz oben und viel zu viele ganz unten sind

Heute konzentrieren sich viele Feministinnen vor allem auf ein Problem; und zwar nicht auf die gläserne Wand oder den „sticky floor“,[1] ein Begriff, den die Soziologin Catherine White Berheide Anfang der 1990er Jahre für die Tatsache prägte, dass Frauen ganz unten in schlecht bezahlten Jobs ohne große Aufstiegschancen „festkleben“. In den meisten Branchen und Berufen haben es Frauen inzwischen bis ganz oben geschafft, in der Politik, der Universität, bei Stiftungen und in vielen weiteren Spitzenjobs. Das Problem der Feministinnen ist vielmehr der „Great Stall“, der große Stillstand, also der Umstand, dass es beim Frauenanteil in all diesen Sparten seit Anfang der 1990er Jahre kaum Zuwachs gegeben hat. Offenbar kleben wir bei 15 Prozent fest, in guten Sparten bei bis zu 20, in schlechten nur bei 5 Prozent.

Dieser Stillstand treibt heute viele feministische Forscher und Vertreter des öffentlichen Lebens um. Fünfzig Jahre nach der zweiten Welle der Frauenbewegung werden Mädchen in dem Glauben erzogen, dass sie alles sein können, was sie wollen. Sie drängen mit hervorragenden Zeugnissen aus den besten Schulen in den Arbeitsmarkt. Doch wenn man sieht, dass immer mehr talentierte Frauen in ihre Karriere starten,[2] ist es umso frustrierender festzustellen, wie wenige es dann wirklich bis an die Spitze schaffen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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