Ausgabe April 2016

Der Preis der Mutterschaft

Warum so wenige Frauen ganz oben und viel zu viele ganz unten sind

Heute konzentrieren sich viele Feministinnen vor allem auf ein Problem; und zwar nicht auf die gläserne Wand oder den „sticky floor“,[1] ein Begriff, den die Soziologin Catherine White Berheide Anfang der 1990er Jahre für die Tatsache prägte, dass Frauen ganz unten in schlecht bezahlten Jobs ohne große Aufstiegschancen „festkleben“. In den meisten Branchen und Berufen haben es Frauen inzwischen bis ganz oben geschafft, in der Politik, der Universität, bei Stiftungen und in vielen weiteren Spitzenjobs. Das Problem der Feministinnen ist vielmehr der „Great Stall“, der große Stillstand, also der Umstand, dass es beim Frauenanteil in all diesen Sparten seit Anfang der 1990er Jahre kaum Zuwachs gegeben hat. Offenbar kleben wir bei 15 Prozent fest, in guten Sparten bei bis zu 20, in schlechten nur bei 5 Prozent.

Dieser Stillstand treibt heute viele feministische Forscher und Vertreter des öffentlichen Lebens um. Fünfzig Jahre nach der zweiten Welle der Frauenbewegung werden Mädchen in dem Glauben erzogen, dass sie alles sein können, was sie wollen. Sie drängen mit hervorragenden Zeugnissen aus den besten Schulen in den Arbeitsmarkt. Doch wenn man sieht, dass immer mehr talentierte Frauen in ihre Karriere starten,[2] ist es umso frustrierender festzustellen, wie wenige es dann wirklich bis an die Spitze schaffen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema