Ausgabe Dezember 2016

»Lasst sie doch absaufen«, Teil 2

Das Versagen des Nordens und die Ausweitung der Opferzone

Bild: CC0 Public Domain

Oft wird der Klimawandel der „menschlichen Natur“ angelastet oder der angeborenen Gier und Kurzsichtigkeit unserer Gattung. Oder man sagt uns, wir hätten unsere Umwelt so massiv und mit derart globalen Auswirkungen verändert, dass wir jetzt eben im Anthropozän lebten – dem Erdzeitalter des Menschen. In solchen Erklärungen der herrschenden Zustände schwingt eine ganz bestimmte, wenngleich unausgesprochene Botschaft mit: nämlich dass die menschliche Natur auf eine Formel reduziert werden kann, derzufolge diese Krise zwangsläufig aus ihr hervorgeht. Die Systeme, die bestimmte Mitglieder der Gattung Mensch geschaffen haben und denen andere sich energisch widersetzten, bleiben dabei gänzlich ausgeblendet – Systeme wie Kapitalismus, Kolonialismus oder das Patriarchat.

Dagegen hat es – glaubt man solchen Diagnosen – menschliche Systeme, die das Leben ganz anders organisierten, niemals gegeben: Systeme, die den Menschen abverlangen, sieben Generationen weit vorauszudenken, und fordern, dass sie nicht allein gute Bürger, sondern kommenden Generationen auch gute Ahnen und Erblasser sein sollten; Systeme, in denen die Menschen nicht mehr verbrauchen dürfen, als sie tatsächlich benötigen, und der Umwelt ihrerseits etwas zurückgeben müssen, um deren Regenerationszyklen zu schützen und zu bereichern.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema