Ausgabe Juni 2016

Afrikanische Wahlautokratien

In weiten Teilen Afrikas entzünden sich an Wahlen nicht nur politische Debatten über Kandidaten und Programme, sondern zunehmend auch gewalttätige Auseinandersetzungen um die Verteilung von Ressourcen. Besonders in der strukturschwachen Region der Großen Seen hat sich zuletzt gezeigt, dass Wahlen weniger dazu dienen, Regierungen demokratisch zu legitimieren als sie vielmehr machtpolitisch abzusichern. Die Präsidentialdemokratien in Uganda, Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) liefern beredte Beispiele für das, was man Wahlautokratien nennt, eine Regierungsform, die autoritäre Machtausübung mit der Wahrung demokratischer Formen verbindet.

So wurde im Februar bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Uganda Präsident Museveni mit mehr als 60 Prozent der Stimmen für eine fünfte Amtszeit bestätigt. Das Wahlergebnis fand in internationalen Medien kaum Beachtung. Es war schlicht eingetreten, was politische Beobachter erwartet hatten. Viele Wählerinnen und Wähler aber waren vom Ausgang der Wahlen überrascht. Denn lange hatte es nicht so ausgesehen, als werde sich der Amtsinhaber, immerhin seit 30 Jahren an der Macht, erneut durchsetzen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema