Ausgabe Juni 2016

Afrikanische Wahlautokratien

In weiten Teilen Afrikas entzünden sich an Wahlen nicht nur politische Debatten über Kandidaten und Programme, sondern zunehmend auch gewalttätige Auseinandersetzungen um die Verteilung von Ressourcen. Besonders in der strukturschwachen Region der Großen Seen hat sich zuletzt gezeigt, dass Wahlen weniger dazu dienen, Regierungen demokratisch zu legitimieren als sie vielmehr machtpolitisch abzusichern. Die Präsidentialdemokratien in Uganda, Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) liefern beredte Beispiele für das, was man Wahlautokratien nennt, eine Regierungsform, die autoritäre Machtausübung mit der Wahrung demokratischer Formen verbindet.

So wurde im Februar bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Uganda Präsident Museveni mit mehr als 60 Prozent der Stimmen für eine fünfte Amtszeit bestätigt. Das Wahlergebnis fand in internationalen Medien kaum Beachtung. Es war schlicht eingetreten, was politische Beobachter erwartet hatten. Viele Wählerinnen und Wähler aber waren vom Ausgang der Wahlen überrascht. Denn lange hatte es nicht so ausgesehen, als werde sich der Amtsinhaber, immerhin seit 30 Jahren an der Macht, erneut durchsetzen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema