Ausgabe Juni 2016

Handys für die Kriegskasse

Jedes Jahr ein neues Smartphone oder ein neues Tablet – mit diesem Angebot buhlt die Telekom derzeit um Kunden. Schon jetzt verschwinden unzählige vermeintlich „alte“ Handys nach kurzem Gebrauch in der Schublade – und mit ihnen die darin verarbeiteten Rohstoffe, an denen – zumindest metaphorisch – oftmals Blut haftet.

Frank Poulsens preisgekrönte Dokumentation „Blood in the Mobile“ zeigt am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) eindrücklich, wie die für Handys, Computer und Tablets benötigten Mineralien bewaffnete Konflikte finanzieren. Bislang sind dem kongolesischen Bürgerkrieg rund fünf Millionen Menschen zum Opfer gefallen, bis zu zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht.[1] Am Leben gehalten wird der Krieg nicht zuletzt durch Erlöse aus dem Handel mit begehrten Ressourcen: Durch Tantal, das aus Coltan gewonnen wird, können etwa besonders kleine Kondensatoren mit zugleich vergleichsweise hoher Kapazität hergestellt werden; Zinn hingegen wird als Verbindungsmetall beim Lötprozess benötigt.[2]

Gegen den auch andernorts konfliktbehafteten Rohstoffhandel und die menschenunwürdigen Bedingungen in den Minen regt sich zunehmend Protest. Mit freiwilligen Initiativen versuchen einige Hersteller, ihr schlechtes Image aufzubessern.

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In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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