Ausgabe April 2017

Nach dem Krieg ist vor dem Kriegsspiel

Ja, Fake News sind schlimm. Das erleben wir dieser Zeit jeden Tag aufs Neue. Aber noch viel schlimmer ist es, wenn sich die Geschichte als gefaked erweist – zumal dann, wenn es die wenigen fast mythischen Daten der guten alten Bundesrepublik betrifft.

Erstes Opfer: der legendenumwitterte 2. Juni 1967, Tag der Ermordung Benno Ohnesorgs und die eigentliche Geburtsstunde der Studentenbewegung. Was mussten die alten APO-Veteranen leiden, als sie 2009 erfuhren, dass nicht nur der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras geschossen hatte, sondern immer auch der Stasi-IM Karl-Heinz Kurras. Ganze linke Weltbilder mit ihrer Affinität für den realexistierenden Sozialismus gingen darüber zu Bruch.

Noch schlimmer aber sind die Enthüllungen, die jetzt das Land erregen. Über Jahrzehnte, von Joachim Fest (FAZ) bis Arthur Heinrich („Blätter“), hatten wir lernen dürfen, dass das „Wunder von Bern“ die „eigentliche Geburtsstunde“ der zivilen Bundesrepublik gewesen ist. Doch was müssen wir dieser Tage erfahren? Der legendäre Sieg der Walters und Rahns, der Tureks und Posipals am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion war nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

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