Ausgabe April 2017

Who cares?

Die Ausbeutung der Sorgearbeit und ihre Krise

Nicht nur der Kapitalismus, sondern auch die „Care-Arbeit“ steckt derzeit in einer tiefen Krise. Denn es herrscht ein enormer Druck auf zentralen sozialen Aufgaben: das Gebären und Aufziehen von Kindern, das Sich-Kümmern um Freunde und Familienmitglieder, das Aufrechterhalten privater Haushalte und größerer Gemeinschaften sowie die Pflege sozialer Beziehungen im Allgemeinen.[1] Historisch gesehen haben Frauen den überwiegenden Teil dieser Arbeiten verrichtet – in der Regel unbezahlt. Dabei ist die Erfüllung dieser Aufgaben in ihrer Verbindung sowohl affektiver als auch materieller Arbeit gesellschaftlich unverzichtbar: Ohne sie könnte es weder Kultur noch Ökonomie, noch politische Organisationen geben. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Keine Gesellschaft, die ihre soziale Reproduktion untergräbt, kann lange fortbestehen. Und doch tut die gegenwärtige kapitalistische Gesellschaft genau das. Als Folge dessen befindet sich nicht nur die Sorgearbeit, sondern die gesellschaftliche Reproduktion insgesamt in Bedrängnis.

Ich begreife diese Krise als Aspekt einer „allgemeinen Krise“, die sich auch in ökonomischen, ökologischen und politischen Varianten zeigt, welche einander allesamt wechselseitig überlagern und verschärfen. Die Krise der gesellschaftlichen Reproduktion bildet eine wichtige Dimension dieser allgemeinen Krise.

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