Ausgabe April 2017

Zeitenwende oder: Zeit für eine Wende der Linken

Bild: »Der Holzarbeiter« von Wilhelm Morgen, 1911

Der Brexit, die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA und der Aufstieg nationalistischer Parteien in Europa signalisieren unabweisbar eine Zeitenwende. Der fragile, durch eine lange Periode sozialer Auseinandersetzungen erkämpfte Zusammenhang von Kapitalismus und Demokratie, wie er für die Nachkriegsjahrzehnte kennzeichnend war, ist zerbrochen. Hinter der Fassade der deutschen Wirtschaftsdaten ist der Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung unübersehbar. Einst verlässliche Normen und Institutionen haben an Substanz und Legitimität eingebüßt. Wir stehen damit nicht bloß partiellen Funktionsstörungen gegenüber, sondern einer Systemkrise.

Daher wachsen Ungewissheit und Orientierungslosigkeit. Das aber macht Nationalismus und die Abwehr von „Fremden“ für viele wieder anziehend: Es sind rückwärtsgewandte Reaktionen, nachdem Zukunftsversprechen nicht einmal mehr angeboten werden. Doch das „Volk“, das die Rechte beschwört, hat es nie gegeben. Es konstituiert sich erst durch die Setzung des „Fremden“ als Feind und die Entgegensetzung von „Volk“ und politischem Establishment.

Dabei sind es vor allem Verlusterfahrungen, die den Nährboden für den Aufstieg der Nationalisten bilden. Zentral ist ein dreifacher Verlust – von Kontrolle, Perspektiven und Traditionen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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