Ausgabe April 2017

Zeitenwende oder: Zeit für eine Wende der Linken

Bild: »Der Holzarbeiter« von Wilhelm Morgen, 1911

Der Brexit, die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA und der Aufstieg nationalistischer Parteien in Europa signalisieren unabweisbar eine Zeitenwende. Der fragile, durch eine lange Periode sozialer Auseinandersetzungen erkämpfte Zusammenhang von Kapitalismus und Demokratie, wie er für die Nachkriegsjahrzehnte kennzeichnend war, ist zerbrochen. Hinter der Fassade der deutschen Wirtschaftsdaten ist der Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung unübersehbar. Einst verlässliche Normen und Institutionen haben an Substanz und Legitimität eingebüßt. Wir stehen damit nicht bloß partiellen Funktionsstörungen gegenüber, sondern einer Systemkrise.

Daher wachsen Ungewissheit und Orientierungslosigkeit. Das aber macht Nationalismus und die Abwehr von „Fremden“ für viele wieder anziehend: Es sind rückwärtsgewandte Reaktionen, nachdem Zukunftsversprechen nicht einmal mehr angeboten werden. Doch das „Volk“, das die Rechte beschwört, hat es nie gegeben. Es konstituiert sich erst durch die Setzung des „Fremden“ als Feind und die Entgegensetzung von „Volk“ und politischem Establishment.

Dabei sind es vor allem Verlusterfahrungen, die den Nährboden für den Aufstieg der Nationalisten bilden. Zentral ist ein dreifacher Verlust – von Kontrolle, Perspektiven und Traditionen.

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In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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