Ausgabe Juli 2017

Spaniens Sozialisten: Wie Phönix aus der Asche?

Drei Mal hat man bisher in Spanien versucht, Ministerpräsidenten per Misstrauensvotum abzusetzen. Erfolg hatten die Herausforderer in vierzig Jahren Demokratie bisher nicht. Auch das von der linken Protestpartei Podemos initiierte Misstrauensvotum gegen den von Korruptions- und Justizskandalen verfolgten konservativen Premier Mariano Rajoy Mitte Juni war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Sicher war Podemos-Anführer Pablo Iglesias nur die Unterstützung von 82 der 350 Abgeordneten, neben der seiner Partei die der katalanischen Linksrepublikaner, der baskischen Bildu und der valencianischen Compromís. Ihnen stand das „Nein“ der Regierungspartei Partido Popular (PP) und der konservativ-liberalen Ciudadanos sowie der kanarischen und asturianischen Regionalparteien gegenüber.

Dennoch liefert das Ergebnis eine aufschlussreiche Momentaufnahme aus dem spanischen Parlament. Denn mit 98 Abgeordneten ist der Block der Enthaltungen beachtlich – und größer als erwartet. Die sozialdemokratische PSOE hat sich erst unter ihrem im Mai gewählten, neuen alten Generalsekretär Pedro Sánchez zu einer Enthaltung durchgerungen. Unter seiner Vorgängerin Susana Díaz hätte die PSOE dem Antrag vermutlich eine Absage erteilt. Das war durchaus Teil des Kalküls.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema