Ausgabe März 2017

Demokratische Republik Kongo: Der ewige Kabila?

Seitdem das Mandat ihres Präsidenten Joseph Kabila am 19. Dezember 2016 offiziell abgelaufen ist, befindet sich die Demokratische Republik Kongo in einer tiefen politischen Krise. Kabila, der die für letzten November geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auf unbestimmte Zeit verschoben hatte, regiert seither ohne jegliche demokratische Legitimation. Offiziell begründete die Regierung ihr Vorgehen mit logistischen und finanziellen Schwierigkeiten. Weitaus wahrscheinlicher ist aber, dass Kabila sich auf diese Weise eine dritte Amtszeit sichern will, die ihm laut Verfassung nicht zusteht.

Damit aber hat er die Konflikte im Land massiv verschärft: Tausende Menschen gingen in den vergangenen Monaten in verschiedenen Landesteilen immer wieder auf die Straßen. Sie haben es satt, von machthungrigen Eliten regiert zu werden, und sind sowohl von der Regierungspartei als auch von den meisten Oppositionsparteien enttäuscht. Die Regierung antwortete auf die Proteste mit Verhaftungen, Vereinigungsverboten und massiver Polizeigewalt; Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben. Laut Human Rights Watch ist die Zahl der Menschenrechtsverbrechen in der DR Kongo 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen – hauptsächlich aufgrund der Niederschlagung der Proteste rund um die Wahlen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.