Ausgabe Mai 2017

Südkorea: Hoffnungsträger Moon Jae-in

Wenn die Südkoreaner am 9. Mai einen neuen Präsidenten wählen, sind die Hoffnungen auf einen politischen Neubeginn groß. Denn die vorgezogene Neuwahl besiegelt nicht nur das Ende der Präsidentschaft Park Geun-hyes, die Anfang März vom Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben wurde. Sie steht auch für den Erfolg einer wachsenden politischen Bewegung, die monatelang gegen die Politik der Expräsidentin protestiert hatte. Allwöchentlich zogen Ende vergangenen Jahres bis zu zwei Millionen Südkoreaner auf den Gwanghwamun-Platz im Seouler Stadtzentrum, um lautstark den Rücktritt Park Geun-hyes zu fordern.

An der Spitze der Demonstrationen standen einerseits einstige Studentenaktivisten, die Ende der 1980er Jahre die Militärdiktatur zu Fall gebracht hatten und nun erneut für eine demokratische Erneuerung eintreten. Darüber hinaus politisierten die Proteste gerade jene junge Generation Südkoreas, die bislang vor allem als materialistisch, hedonistisch und selbstbezogen galt. Viele Schüler und Studenten, die weder die Armut ihrer Großeltern noch die politische Unterdrückung ihrer Elterngeneration persönlich miterlebt hatten, gingen über Monate friedlich für gesellschaftlichen Wandel auf die Straße. Die vorgezogene Präsidentschaftswahl betrachten sie vor allem als ihren Erfolg.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.