Ausgabe April 2018

Russland unter Anklage: Das Nowitschok-Mysterium

Bild: J0KeR / photocase.com

In den vergangenen Jahren gab es oft Spekulationen darüber, dass in den frühen 1970er Jahren als Teil des sogenannten Foliant Programms eine vierte Generation von Nervengasen, sogenannte Nowitschoks (Newcomer), in Russland entwickelt wurden – mit dem Ziel, einen Kampfstoff zu finden, der militärische Verteidigungsmaßnahmen unterlaufen würde. Informationen über diese chemischen Verbindungen waren in der Öffentlichkeit sehr spärlich, die meisten kamen von einem russischen Dissidenten und Militärchemiker mit dem Namen Wil Mirsajanow. Es wurde jedoch nie eine unabhängige Bestätigung über Struktur oder Eigenschaften von solchen chemischen Verbindungen veröffentlicht.

Im Jahr 2016 publizierte Robin Black – der Leiter des Aufklärungslaboratoriums von Großbritanniens einziger Anlage für chemische Waffen in der Forschungseinrichtung Porton Down und ein früherer Kollege von David Kelly[1] – in einem renommierten Wissenschaftsjournal einen Artikel, wonach der Beweis für die Existenz von Nowitschoks dürftig und ihre Zusammensetzung unbekannt sei.[2] Dennoch behauptet jetzt die britische Regierung, im Falle des Anschlags auf Sergej Skripal und seine Tochter, eine Substanz aus dem Stegreif identifizieren zu können, die ihr eigenes Forschungszentrum für biologische Waffen niemals zuvor gesehen hat und deren Existenz ungesichert ist.

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