Ausgabe Februar 2018

Weniger Profite, besseres Leben

Mit radikaler Arbeitszeitverkürzung gegen den Finanzmarktkapitalismus

In diesem Jahr jährt sich die große Finanzkrise von 2008 zum zehnten Mal, im Jahr darauf jene von 1929 zum jetzt schon 90. Mal. Die bisherigen Krisen wurden in der Regel zum Anlass genommen, nach ihren Ursachen zu forschen und nach Mitteln und Instrumenten zu suchen, um sie in Zukunft zu verhindern oder wenigstens zu entschärfen. Damit haben wir aber unhinterfragt angenommen, dass der Finanzsektor für das Funktionieren des gegenwärtigen Kapitalismus unverzichtbar sei. Die entscheidende Frage wurde meines Erachtens dagegen nie gestellt: Braucht der Kapitalismus überhaupt den Finanzsektor?

Längst hat sich der Finanzsektor zu einem hegemonialen Projekt entwickelt und sich an die Spitze des ökonomischen Systems und der Gesellschaft gesetzt. Wie kann es aber sein, dass ein seinem Wesen nach immaterieller Sektor die Geschicke der Realwirtschaft, die Regeln der Gesellschaft und letztlich auch unser aller Schicksal bestimmen kann, ohne dass dies den geringsten Widerstand, geschweige denn eine Rebellion hervorruft?

Offensichtlich ist der Gesellschaft das Geschichtsbewusstsein abhandengekommen. Wir haben vergessen, dass das Finanzkapital in seiner heutigen Dimension erst Mitte der 1980er Jahre als ein Produkt und Treiber der neoliberalen Agenda entstanden ist. Der Kapitalismus als solcher dagegen braucht das „moderne“ Finanzkapital überhaupt nicht.

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