Ausgabe Januar 2018

Simbabwe: Lang lebe das Regime!

Bild: Public Domain

Es war ein historischer Tag, als Simbabwes Parlamentspräsident Jacob Mudenda am 21. November in der Hauptstadt Harare folgende Sätze verlas: „Ich, Robert Gabriel Mugabe, reiche hiermit, nach den Bestimmungen von Artikel 96 der Verfassung von Simbabwe, meinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung ein.“ Fast im gleichen Moment brach Jubel aus: Abgeordnete sprangen von ihren Stühlen auf und stießen Freudenschreie aus. Auf den Straßen liefen die Menschen zusammen und feierten. Vor allem die jungen Simbabwer, die in ihrem Leben noch nie einen anderen Präsidenten erlebt haben, strömten zu Tausenden auf die Straßen der Hauptstadt. Viele hatten kleine Flaggen in der Hand oder sich große Fahnen über die Schultern gehängt. Auf den Dächern von Reisebussen tanzten junge Männer, und auf den Gehsteigen fielen sich wildfremde Menschen um den Hals.

Doch der Freudentaumel über das Ende der 37jährigen Herrschaft Mugabes währte nicht lange: Denn mit der Vereidigung von dessen mächtigem Vize Emmerson Mnangagwa zum neuen Präsidenten des Landes nur wenige Tage später ist nun ein eingefleischter Veteran des alten Regimes an der Macht, der maßgeblich für das repressive System und die Verfolgung Oppositioneller verantwortlich ist.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

Bild: imago images / Kyodo News

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

von Julia Schweers

Ob in Hongkong, Lateinamerika oder dem Mittleren Osten – überall begehren vor allem junge Menschen gegen ihre Regierungen auf. Weniger Beachtung findet dagegen die Tatsache, dass auch in Afrika der Frust der Jugendlichen immer stärker wächst.

Deutsch-französischer Wettlauf um Afrika

von Frauke Banse

Auf die Frage, was die „globalen Anfechtungen“ aus China, Russland und den USA mit Europa machen würden, antwortete Angela Merkel jüngst in einem Zeitungsinterview: „Sie fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen. […] Unsere Afrikapolitik folgt inzwischen einer gemeinsamen Strategie, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.