Ausgabe Januar 2018

Simbabwe: Lang lebe das Regime!

Bild: Public Domain

Es war ein historischer Tag, als Simbabwes Parlamentspräsident Jacob Mudenda am 21. November in der Hauptstadt Harare folgende Sätze verlas: „Ich, Robert Gabriel Mugabe, reiche hiermit, nach den Bestimmungen von Artikel 96 der Verfassung von Simbabwe, meinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung ein.“ Fast im gleichen Moment brach Jubel aus: Abgeordnete sprangen von ihren Stühlen auf und stießen Freudenschreie aus. Auf den Straßen liefen die Menschen zusammen und feierten. Vor allem die jungen Simbabwer, die in ihrem Leben noch nie einen anderen Präsidenten erlebt haben, strömten zu Tausenden auf die Straßen der Hauptstadt. Viele hatten kleine Flaggen in der Hand oder sich große Fahnen über die Schultern gehängt. Auf den Dächern von Reisebussen tanzten junge Männer, und auf den Gehsteigen fielen sich wildfremde Menschen um den Hals.

Doch der Freudentaumel über das Ende der 37jährigen Herrschaft Mugabes währte nicht lange: Denn mit der Vereidigung von dessen mächtigem Vize Emmerson Mnangagwa zum neuen Präsidenten des Landes nur wenige Tage später ist nun ein eingefleischter Veteran des alten Regimes an der Macht, der maßgeblich für das repressive System und die Verfolgung Oppositioneller verantwortlich ist.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.