Ausgabe November 2018

Südafrika: Der Kampf ums geraubte Land

Seit Monaten bestimmt ein einziges Thema die politische Debatte in Südafrika: die Landfrage, also die extrem ungerechte Verteilung des Landbesitzes zwischen Weißen und Schwarzen. Die Regierung des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa (ANC) plant nun eine Verfassungsänderung, um Grundstücke zugunsten schwarzer Bürger entschädigungslos enteignen zu können. Damit will sie zur sozialen und wirtschaftlichen Wiedergutmachung der Apartheidverbrechen beitragen. Das weckt Hoffnungen vor allem bei der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung. Bei weißen Farmern und Investoren mobilisieren die Pläne hingegen enorme Ängste. Sie befürchten ein Szenario wie im Nachbarland Simbabwe, wo nach einem Verfassungsreferendum im Jahr 2000 kommerzielle Farmen gewaltsam enteignet wurden. 50 000 weiße Landwirte verließen daraufhin binnen kurzer Zeit das Land und beschleunigten damit dessen wirtschaftlichen Niedergang. Inzwischen sorgt die Debatte auch international für Schlagzeilen. US-Präsident Donald Trump drohte per Twitter gar, Enteignungen von (weißen) Bauern und von Landbesitz durch seinen Außenminister Mike Pompeo beobachten lassen zu wollen und sprach von der „massenhaften Tötung“ weißer Farmer. Die ANC-Regierung wies diese unhaltbaren Vorwürfe umgehend zurück.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.