Ausgabe Oktober 2018

Schluss mit der Ungleichheit: Zehn Jahre Finanzkrise, Teil II

Zehn Jahre hält die Misere inzwischen an, die die Finanzkrise von 2008 ausgelöst hat. Für die Insider des Systems hat sich seither nichts geändert. Alle anderen aber sahen sich in eine elende Dekade versetzt, deren Not durch die Austeritätspolitik noch vergrößert wurde. Dabei ist festzuhalten, dass nicht irgendwelche Außenseiter, sondern anerkannte Makroökonomen ausdrücklich davon abgeraten hatten, einen Austeritätskurs einzuschlagen. Sie sagten voraus, dass er zu Stagnation oder zur Schrumpfung des BIP führen würde, was dann auch tatsächlich geschah. Dennoch setzten sich jene Politiker durch, die die Krise als politischen „Wendepunkt“ nutzen wollten – eine Parole, die ich erstmals 2009 im Privatgespräch mit einem Tory hörte, noch bevor der Öffentlichkeit dämmerte, was da auf sie zukam –, Politiker, die die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, öffentliche Haushalte zu beschneiden und den Staat „gesundzuschrumpfen“.

Austeritätspolitik belastet Arme viel stärker als Bessergestellte. Obendrein ist die Kategorie „Sparsamkeit“ ideologisch befrachtet, weil hier eine private Tugend in ein abstraktes Prinzip verfälscht wird, an dem sich die öffentliche Ausgabenpolitik auszurichten hätte.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.

Politik des Misstrauens: Die schwarz-rote Kurzsichtigkeit

von Annett Mängel

Es sollte der Durchbruch werden, mit dem die schwarz-rote Bundesregierung vor den so wichtigen Herbstwahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihre Tat- und Schaffenskraft demonstrieren wollte: Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder stellten am 2. Juli ein 34 Punkte umfassendes Reformpaket vor.