Ausgabe Januar 2019

Polens PiS: Erfolgsrezept Nationalismus

Mit großem Nachdruck betreibt Polens Regierung derzeit eine Instrumentalisierung der jüngeren Vergangenheit. Nichts weniger als die Arbeit an einem mythischen nationalkonservativen Geschichtsbild, das die Größe Polens beschwört, hat sich die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf die Fahnen geschrieben. Staatspräsident Andrzej Duda zufolge geht es darum, „das Chaos in unserem kulturellen Code“ abzuschaffen, welches Kommunismus, Nazismus, Kosmopolitismus oder die nihilistische Zerstörung christlicher Werte hervorgebracht hätten.[1] Der durch solche Ideologien vergiftete Geist der Nation müsse mit einer neuen Erzählung, einem neuen kulturellen Code, geheilt werden.

So verfolgen die Nationalkonservativen in Warschau eine regressive Souveränitätspolitik der drei „Re-s“: Restauration, Reparationen, Remoralisierung. Sie handeln dabei aber weit rationaler, als es der verbreitete Populismusvorwurf vermuten lässt.

Mit einem Rekurs auf konservativ-klerikale Feindbilder (linksliberale Eliten, muslimische Flüchtlinge, deutsche oder Brüsseler Bevormundung, Kampf gegen Abtreibung und Homosexualität) soll an der Vision einer nationalen politischen Gemeinschaft gebaut werden. In dieser stehen die Bedürfnisse des polnischen „Volkes“ und der Nation im Vordergrund.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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