Ausgabe Juni 2019

Japan auf neuen Pfaden

Zweimal in den letzten 200 Jahren hat sich Japan neu erfunden: das erste Mal nach der Ankunft der amerikanischen Kriegsschiffe des Commodore Perry 1858 vor der japanischen Küste, die Japan die technische Überlegenheit des Westens vorführte. Damals war der radikale Umbau des Landes in der sogenannten Meiji-Restauration die Antwort auf die drohende Kolonialisierung. Das zweite Mal stieg Japan wie ein Phönix aus der Asche des Zweiten Weltkrieges wieder auf. In beiden Fällen hatten sich Japans altes Gesellschaftsmodell und sein wirtschaftliches und politisches System als nicht mehr lebensfähig erwiesen und seine Antwort war jeweils eine radikale Modernisierung des Landes.[1] Heute scheint Japan vor einer erneuten Wende zu stehen. Denn der Inselstaat steht vor zwei großen Herausforderungen, einer innenpolitischen und einer außenpolitischen.

Zum einen ist Japan die älteste Gesellschaft der Welt. Seit Jahrzehnten liegt die Geburtenrate des Inselstaats lediglich zwischen 1,3 und 1,4 Kindern pro Frau, während gleichzeitig die Lebenserwartung die höchste der Welt ist. Im Vergleich: Selbst in China, dem Land der langjährigen Ein-Kind-Politik, kommt mit durchschnittlich 1,6 Kindern pro Frau mehr Nachwuchs auf die Welt, Französinnen gebären im Schnitt knapp zwei Kinder.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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