Ausgabe Mai 2019

Simulierte Öko-Lernkurve

Da sage noch einer, Politiker seien nicht lernfähig: Eben noch hatte Christian Lindner Klimaschutz zu „einer Sache für Profis“ erklärt und Hunderttausende Schülerinnen und Schüler vor den Kopf gestoßen, schon sitzt er einträchtig mit Luisa Neubauer, beworben als das „deutsche Gesicht der Bewegung“, in der Talkshow von Markus Lanz.

Man könnte sich über die erstaunliche Lernkurve des FDP-Vorsitzenden ja eigentlich freuen, wenn der jüngste „Move“ nicht so ungemein durchschaubar wäre: Auch Lindner weiß natürlich, dass die Demonstrierenden von heute die Wählerinnen und Wähler von morgen sind. Und nachdem es nicht gelungen ist, die Bewegung im Keim zu ersticken, versucht man eben jetzt, sie durch eine Charmeoffensive einzufangen.

Auch jene Medien, die anfangs aus allen Rohren gegen die Bewegung schossen, mimen nun vollstes Verständnis. „Wir schaffen das, Greta“, säuseln in Springers „Welt“ und fast wortgleich im österreichischen „Standard“ der Trendguru Matthias Horx und sein Berliner Statthalter Daniel Dettling. Auch hier ist die Devise klar: Wenn Du eine Bewegung nicht brechen kannst, marschiere lieber selbst an ihrer Spitze und setzt die Botschaft. Und die ist denkbar schlicht. Alles halb so wild: „Wir haben allen Grund zum Ökooptimismus. Der notwendige Wandel ist längst im Gange.

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