Ausgabe November 2019

Russland: Wahlverlierer im Siegesrausch

Bild: imago images / ITAR-TASS

Noch nie haben Regionalwahlen in Russland so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie jene am 8. September. Während bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen kaum noch jemand mit Überraschungen rechnet, wurden die Ergebnisse aus den 13 Regionen der Russischen Föderation mit Spannung erwartet. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr dabei die Wahl zur Moskauer Stadtduma: Da die Wahlkampagne in der Hauptstadt von Protesten und Repressionen begleitet wurde, schaute die ganze Welt monatelang auf den Kampf um die Plätze in einem Stadtparlament mit äußerst bescheidenen Kompetenzen. Und auch wenn erneut die loyal zu Präsident Wladimir Putin stehenden Kandidaten die Mehrheit der Stimmen bekamen, reklamieren doch die Regierungspartei Einiges Russland und die Opposition gleichermaßen einen Erfolg für sich.

Tatsächlich konnte die in scheinbar unversöhnliche Strömungen zersplitterte Opposition gerade, aber nicht nur in der Hauptstadt, deutliche Zugewinne verbuchen – wenn auch mit einer nicht ganz risikofreien Strategie. Nicht zuletzt verantwortlich dafür war ein Mann, der gar nicht erst zur Wahl zugelassen wurde: der Blogger und Politiker Alexej Nawalny.

Alexej Nawalny ist aktuell der bekannteste Oppositionelle Russlands, allerdings keineswegs der Anführer der Opposition.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.