Ausgabe Oktober 2019

Der Sudan im Aufschwung?

Im Sudan wurde am 8. September das erste zivile Kabinett seit 30 Jahren vereidigt. Die Technokratenregierung unter Premierminister Abdalla Hamdok wird eine Machtteilung überwachen, die zwischen Militär und Demokratiebewegung ausgehandelt wurde. Für 2022 sind Wahlen geplant. Die Frage ist: Werden Fraktionen innerhalb des Militärs, die islamistische Opposition oder diverse Rebellengruppen diesen Übergang zur Demokratie noch verhindern?

Derzeit ist der Sudan neben Tunesien das einzige arabische Land, in dem es einen wirklichen Fortschritt in Richtung Demokratie gibt. Die Sudanesische Revolution, die im Dezember 2018 begann, wird für die bemerkenswerte Ausdauer, den Mut und die Organisation ihrer Teilnehmer in Erinnerung bleiben. Die dortige Demokratiebewegung hat aus dem Fiasko in Ägypten gelernt, wo auf die Revolution die Rückkehr des Despotismus in noch harscherer Form folgte. Daher forderte sie zum einen den Machtverzicht der Armee und zum anderen genügend Zeit, um den Übergang zu organisieren. Dabei musste sie einen Kompromiss eingehen: Während der ersten Phase des Übergangs wird das Militär regieren und 2022 von einer gewählten zivilen Regierung abgelöst.

Dennoch herrscht seit der Bildung des neuen Kabinetts in der Hauptstadt Khartum eine ausgelassene Stimmung vor.

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.