Ausgabe September 2019

Kohle-Ausstieg: Beteiligt die Reviere!

Kohleausstieg bis 2030 lautet eine zentrale Forderung von Fridays for Future, die sich inzwischen selbst CSU-Chef Markus Söder zu eigen gemacht hat. Axel Troost, Senior Fellow für Wirtschaftspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung, steht zwar ebenfalls hinter einem beschleunigten Ausstieg, mahnt dabei jedoch zur Vorsicht: Kohlereviere dürften die nötige Energiewende nicht als weiteren Niedergang erleben.

Geht es darum, die deutschen CO2-Emissionen zu senken, fällt der Blick unweigerlich auf die Kohle. Bei der Verstromung der besonders dreckigen Braunkohle ist Deutschland weltweit Spitzenreiter und hält damit einen traurigen Rekord. Allein auf sie entfielen 2016 hierzulande etwa die Hälfte der CO2-Gesamtemissionen bei der Stromerzeugung, weitere 28 Prozent stammten aus Steinkohlekraftwerken – insgesamt also fast 80 Prozent. Braunkohlekraftwerke verursachen dabei durchschnittlich etwa das Dreifache, Steinkohlekraftwerke immerhin noch das Doppelte der CO2-Emissionen von Gaskraftwerken. Zugleich stellte die Kohle im vergangenen Jahr nur noch gut ein Drittel des in der Bundesrepublik erzeugten Stromes.

Angesichts des anstehenden ökologischen Umbaus besteht in der Wissenschaft ein weitgehender Konsens: Eine ambitionierte Energiewendepolitik samt Ausstieg aus der Kohle ist notwendig wie machbar und obendrein sogar ökonomisch vorteilhaft.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.