Ausgabe Mai 2020

Mehr Kooperation wagen: Das Heilmittel gegen Corona

Viele Menschen geben der Globalisierung die Schuld an der Coronavirus-Epidemie. Um zu verhüten, dass dergleichen wieder geschieht, helfe nur eines, sagen sie: die Welt zu deglobalisieren. Mauern zu bauen, die Reisefreiheit einzuschränken, den Handel zu reduzieren. Doch während es kurzfristig dringend der Quarantäne bedarf, um die Epidemie aufzuhalten, würde Isolationismus auf lange Sicht zum ökonomischen Kollaps führen, jedoch keinerlei wirklichen Schutz vor Infektionskrankheiten bieten. Ganz im Gegenteil: Das echte Antidot gegen Epidemien heißt nicht etwa Segregation, sondern vielmehr Kooperation.

Schon lange vor der heutigen Ära der Globalisierung haben Epidemien Millionen Menschen getötet. Im 14. Jahrhundert gab es weder Flugzeuge noch Kreuzfahrtschiffe, und doch verbreitete sich der Schwarze Tod in kaum mehr als einem Jahrzehnt von Ostasien bis nach Westeuropa. Die Pest tötete zwischen 75 und 200 Millionen Menschen – mehr als ein Viertel der damaligen Bevölkerung Eurasiens. In England starben vier von zehn Menschen. Die Stadt Florenz verlor mit 50 000 Menschen die Hälfte ihrer Einwohnerschaft.

Im März 1520 landete ein einziger Pockeninfizierter – Francisco de Eguía – in Mexiko. Zu dieser Zeit kannte Mittelamerika weder Eisenbahnzüge noch Busse, ja nicht einmal Esel. Doch bis zum Dezember des gleichen Jahres hatte eine Pockenepidemie die ganze Region verwüstet.

Mai 2020

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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