Ausgabe September 2020

Kuba und Nicaragua: Die Revolution in den Zeiten von Corona

Drei Frauen mit Gesichtsmasken vor der Tür ihres Hauses, Havanna, April 2020

Bild: imago images / Agencia EFE

Seit Monaten wütet das Coronavirus in Lateinamerika. Von Mexiko über Brasilien bis Chile steigt die Zahl der Infizierten dramatisch – das berichten Korrespondenten in mitteleuropäischen Zeitungen. Weniger bekannt ist hingegen die Lage in Nicaragua und Kuba. In beiden Ländern sind einstige Revolutionäre oder deren Nachfolger an der Macht und reagieren gänzlich untypisch auf die Krise – allerdings mit je völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Eine fast schon ironische Pointe zum lateinamerikanischen Corona-Fluch liefert, wäre es nicht so dramatisch, das kleine Nicaragua mit seinen gut sechs Millionen Einwohnern. Aus der sandinistischen Revolution von 1979, gerade von uns Europäern bewundert und geliebt, wurde über die Jahre die bösartige Diktatur des einstigen Revolutionsführers Daniel Ortega, unterstützt von seiner frömmelnden Gattin Rosario Murillo in ihrer Funktion als Vize-Präsidentin. Dagegen standen im Frühjahr 2018 die Kinder der seinerzeitigen Revolutionäre auf – um von Ortegas Söldnern mitleidlos totgeschossen zu werden. Ortega gewann damit den Tag. Aber das Land verharrt seither in einer Schockstarre. Alles soll wieder „normal“ funktionieren. Eine Seuche darf dabei nicht stören.

September 2020

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema