Ausgabe April 2022

Der gute Krieg für bare Münze

Springer-CEO Mathias Döpfner (IMAGO / Sven Simon)

Bild: Springer-CEO Mathias Döpfner (IMAGO / Sven Simon)

Eigentlich schien die „Bild“-Zeitung den Populismus bereits in der Coronakrise auf schier unerreichbare Höhen getrieben zu haben. Da agitierte man mit aller Kraft und Kubicki im Bunde als „Stimme des Volkes“ für „Freedom“ und gegen das semi-totalitäre Corona-Regiment der Merkel-Regierung, nur um danach, als die Koalition unter dem Druck des „Boulevards“ – welch ein Euphemismus – zeitweilig nachgab und prompt die Krankheitsfälle in die Höhe schnellten, sofort zu klagen, dass das arme Volk durch diese infame Regierung ja nicht hinreichend geschützt werde. Chapeau!

Eigentlich eine unschlagbare Strategie getreu der Devise, was interessiert mich mein Geschreibsel von gestern. Doch der Ukraine-Krieg zeigt, dass man auch diese Form des Populismus noch steigern kann – nämlich durch die totale Gleichzeitigkeit von Forderung und Gegenforderung.

Von Beginn des Krieges an feierte Springer die ukrainischen Helden. Keine Ausgabe, in der „Bild“ nicht mit Selenskyj und den Klitschkos zu mehr Solidarität mit der Ukraine aufrufen würde, vor allem durch den Verzicht auf russische Gasimporte. „Was muss noch in der Ukraine geschehen, bis Deutschland bereit ist, harte Opfer zu bringen?“, fragt „Welt am Sonntag“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld.

April 2022

Sie haben etwa 34% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 66% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Immer jünger, immer rechter: Teenager mit Baseballschlägern

von David Begrich

Ihre Haare sind kurz, gescheitelt und streng gekämmt. Sie zeigen den White Power- oder gar den Hitlergruß. Ist der Aufschwung der rechtsextremen Jugendszene wirklich etwas Neues – oder nur eine Fortsetzung neonazistischer Gewalt?

Maskulin und libertär

von Stefan Matern, Sascha Ruppert-Karakas

Echte Männer sind rechts“ – das auf Social Media viral gegangene Video des AfD-Politikers Maximilian Krah ist mehr als nur ein lapidares Bekenntnis zu traditionellen Familien- und Geschlechterrollen. Es ist vielmehr der strategische Versuch, junge Menschen niedrigschwellig an AfD-Positionen heranzuführen. Im provokanten Politainmentstil bespielt die Partei auf den digitalen Plattformen unpolitisch anmutende Themen rund um die Probleme und persönlichen Unsicherheiten junger Männer.