Ausgabe Mai 2023

Schottland nach Sturgeon: Humza Yousaf und die gespaltene SNP

Humza Yousaf spricht auf der SNP-Herbstkonferenz in Glasgow, 7.10.2018 (IMAGO / SWNS)

Bild: Humza Yousaf spricht auf der SNP-Herbstkonferenz in Glasgow, 7.10.2018 (IMAGO / SWNS)

Am 28. März bot sich im schottischen Parlament in Edinburgh ein ungewohnter Anblick: Zum ersten Mal seit mehr als acht Jahren saß nicht mehr Nicola Sturgeon als Regierungschefin der Schottischen Nationalpartei (SNP) in der ersten Reihe, sondern Humza Yousaf. Der 1985 geborene bisherige Gesundheitsminister und frisch gewählte SNP-Parteichef war mit den Stimmen seiner Partei und des grünen Koalitionspartners zum neuen First Minister gewählt worden. Auch wenn Yousaf als Wunschkandidat der scheidenden Regierungschefin gehandelt wurde, markiert seine Wahl doch einen klaren Einschnitt in der schottischen und britischen Innenpolitik.

Mit Yousaf bekam Großbritannien nämlich den ersten muslimischen Chef einer Länderregierung. Yousafs Vater stammt aus Pakistan, seine Mutter aus einer pakistanischen Familie in Kenia. Beide waren in den 1960er Jahren nach Schottland gekommen. Und nun ist ihr Sohn ausgerechnet Chef einer Nationalpartei. Das ist bemerkenswert und zeigt, wie weit sich der schottische Nationalismus von einer engen, ethnisch orientierten Definition Schottlands entfernt hat.[1]

Doch wie war es überhaupt zur Wahl von Humza Yousaf gekommen? Schließlich galt Nicola Sturgeon jahrelang als unumstrittene Chefin der SNP und als nahezu unbesiegbar an der Wahlurne. Als First Minister hatte sie seit 2014 acht Wahlen auf britischer, schottischer und kommunaler Ebene gewonnen – und dabei die anderen Parteien regelmäßig deklassiert.

»Blätter«-Ausgabe 5/2023

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.