Ausgabe März 2024

»Frankreich, verzieh dich!«

Das Fiasko der französischen Afrikapolitik

Junge nigrische Frauen demonstrieren mit einem Schild mit der Aufschrift »Nieder mit Frankreich« nach dem Putsch in Niamey, 20.8.2023 ( IMAGO / Souley Abdoulaye / Afrikimages Age)

Bild: Junge nigrische Frauen demonstrieren mit einem Schild mit der Aufschrift »Nieder mit Frankreich« nach dem Putsch in Niamey, 20.8.2023 ( IMAGO / Souley Abdoulaye / Afrikimages Age)

Françafrique: Der lautmalerische Neologismus, der nach dem Zweiten Weltkrieg die enge Verbundenheit Frankreichs mit seinen Kolonien in West- und Zentralafrika ausdrücken sollte und unter dem nach der Dekolonisation die politische, wirtschaftliche, kulturelle und militärische Kooperation fortgesetzt wurde, hat heute jeden guten Klang verloren. Vor allem für junge Afrikanerinnen und Afrikaner steht er für alles, was sie loswerden wollen: neokoloniale Dominanz, ökonomische Dependenz, kulturelle Dekadenz, militärische Demütigung.[1] In den letzten Monaten machte sich in diversen Sahelstaaten eine lange aufgestaute Wut über die ehemalige Kolonialmacht Luft. Frankreich ist verhasst und wird regelrecht aus Afrika herausgefeuert, wobei es anderen und weit stärkeren imperialistischen Mächten Platz macht: Russland und China. Statt der quergestreiften Trikolore schwenken Demonstranten in Bamako und Niamey die längsgestreifte der Russischen Föderation, deren Wagner-Söldner dort seit langem präsent sind. Und der Hinauswurf Frankreichs wird begleitet von einer rasanten Entdemokratisierung der Region mit der Festigung von Militärregimen und denselben autoritären Staatsklassen, die die French Connection lange zur eigenen Bereicherung und zur Unterdrückung ihrer Bevölkerung genutzt hatten.

Doch der Reihe nach.

»Blätter«-Ausgabe 3/2024

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema