Ausgabe Juni 2025

Aufstieg des Endzeitfaschismus

Die Politik mit dem Untergang – und wie wir sie noch stoppen können

Symbolbild: Ein Stiefel tritt auf einen Erdball (IMAGO / blickwinkel)

Bild: Symbolbild: Ein Stiefel tritt auf einen Erdball (IMAGO / blickwinkel)

Die Bewegung für unternehmensgeführte Stadtstaaten kann ihr Glück kaum fassen. Seit Jahren propagiert sie die extreme Vorstellung, dass wohlhabende, steuerscheue Menschen ihre eigenen Hightech-Lehen gründen sollten, seien es neue Länder auf künstlichen Inseln in internationalen Gewässern („Seasteading“) oder wirtschaftsfreundliche „Freiheitsstädte“ wie Próspera, eine verherrlichte Gated Community in Kombination mit einem Wildwest-Spa auf einer honduranischen Insel.

Doch trotz der Unterstützung durch die einflussreichen Risikokapitalgeber Peter Thiel und Marc Andreessen sind ihre extremen libertären Träume immer wieder gescheitert: Es hat sich herausgestellt, dass die meisten reichen Leute, die etwas auf sich halten, nicht auf schwimmenden Ölplattformen leben wollen, selbst wenn das niedrigere Steuern bedeutet, und Próspera mag zwar nett sein für einen Urlaub und ein paar körperliche „Upgrades“, aber sein außerstaatlicher Status wird derzeit vor Gericht angefochten.

Doch nun rennt dieses einst randständige Netzwerk von Business-Sezessionisten plötzlich im Zentrum der Weltmacht offene Türen ein. Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich das Blatt wendet, kam 2023: Donald Trump versprach im Wahlkampf scheinbar aus dem Nichts heraus, einen Wettbewerb abzuhalten, der zur Gründung von zehn „freien Städten“ auf bundesstaatlichem Land führen werde. Der Versuchsballon wurde damals kaum wahrgenommen und ging in der täglichen Flut ungeheuerlicher Behauptungen unter. Seitdem die neue Regierung ihr Amt angetreten hat, haben die Möchtegern-Landesgründer jedoch eine Lobbykampagne gestartet und sind entschlossen, Trumps Ankündigungen in die Tat umzusetzen. „Die Energie in [Washington] DC ist absolut elektrisch“, schwärmte Trey Goff, der Stabschef von Próspera, kürzlich nach einer Reise an den Sitz der US-Regierung. Das Gesetzgebungsverfahren, das den Weg für eine Vielzahl von unternehmensgeführten Stadtstaaten ebnen soll, dürfte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, behauptet er.

Inspiriert von einer verzerrten Lesart des politischen Philosophen Albert Hirschman haben sich Persönlichkeiten wie Goff, Thiel und der Investor und Schriftsteller Balaji Srinivasan für das eingesetzt, was sie als „Exit“ bezeichnen – das Prinzip, dass diejenigen, die über die nötigen Mittel verfügen, das Recht haben, sich von den Pflichten der Staatsbürgerschaft zu lösen, insbesondere von Steuern und lästigen Vorschriften. Es sind altbekannte imperiale Ambitionen und Vorrechte, die sie neu aufpolieren und nutzen wollen für ihren Traum, Regierungen zu zersplittern und die Welt in hyperkapitalistische, demokratiefreie Oasen unter der alleinigen Kontrolle der Superreichen aufzuteilen, die von privaten Söldnern geschützt, von KI-Robotern bedient und durch Kryptowährungen finanziert werden.

Konzernstaaten und Bunkernationen

Es scheint widersprüchlich, dass ausgerechnet Trump mit seiner fahnenschwenkenden Fangemeinde und seinem „America first“-Programm dieser Vision souveräner Territorien, die von Milliardärs-Gottkönigen regiert werden, zu Glaubwürdigkeit verhilft. Auch wurde viel über die „flame wars“, die deftigen Wortgefechte zwischen dem MAGA-Sprachrohr Steve Bannon, einem stolzen Nationalisten und Populisten, und den mit Trump verbündeten Milliardären berichtet, die Bannon als „Technofeudalisten“ angegriffen hat, die sich „einen Dreck um die Menschen scheren“ – geschweige denn um den Nationalstaat. Zweifellos gibt es Konflikte innerhalb von Trumps merkwürdiger, zusammengewürfelter Koalition, die zuletzt wegen der Zölle einen Siedepunkt erreichten. Dennoch sind die zugrundeliegenden Visionen vielleicht gar nicht so unvereinbar, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Anhänger von Start-up-Staaten sehen eindeutig eine Zukunft voraus, die von Schocks, Knappheit und Zusammenbruch geprägt ist. Ihre privaten Hightech-Herrschaftgebiete sind im Wesentlichen befestigte Fluchtkapseln – geschaffen für einige wenige Auserwählte, um jeden erdenklichen Luxus und jede Gelegenheit zur menschlichen Optimierung zu nutzen und ihnen selbst wie ihren Kindern einen Vorteil in einer zunehmend barbarischen Zukunft zu verschaffen. Kurz gesagt, die mächtigsten Menschen der Welt bereiten sich auf das Ende der Welt vor, ein Ende, das sie selbst frenetisch beschleunigen. Das ist gar nicht so weit entfernt von der massentauglicheren Vision von Nationen als Festungen, die weltweit die extreme Rechte beseelt, von Italien bis Israel, von Australien bis zu den Vereinigten Staaten: In einer Zeit ständiger Gefahr positionieren offen suprematistische Bewegungen in diesen Ländern ihre relativ wohlhabenden Staaten als bewaffnete Bunker. Diese Bunker sind brutal in ihrer Entschlossenheit, unerwünschte Menschen zu vertreiben und zu inhaftieren (selbst wenn dies eine unbefristete Inhaftierung in extranationalen Strafkolonien von Manus Island bis Guantánamo Bay erfordert), und ebenso rücksichtslos in ihrer Bereitschaft, sich gewaltsam das Land und die Ressourcen (Wasser, Energie, wichtige Mineralien) anzueignen, die sie als notwendig erachten, um die kommenden Schocks zu überstehen. Beide Visionen – der exklusive Konzernstaat und die Bunkernation für den Massenmarkt – haben viel mit der christlich-fundamentalistischen Interpretation der biblischen „Entrückung“ gemeinsam, bei der die Gläubigen angeblich in eine goldene Stadt im Himmel emporgehoben werden, während die Verdammten hier unten auf der Erde eine apokalyptische Endschlacht erleiden müssen. Eine interessante Beobachtung in einer Zeit, in der ehemals säkulare Silicon-Valley-Eliten plötzlich zu Jesus[1] finden.

Der neue Armageddon-Komplex ohne goldenes Zeitalter

Wenn wir diesen kritischen Moment in der Geschichte meistern wollen, müssen wir uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir es nicht mit Gegnern zu tun haben, die wir schon kennen. Wir haben es mit einem Endzeitfaschismus zu tun. Als er über seine Kindheit unter Mussolini nachdachte, bemerkte der Romancier und Philosoph Umberto Eco in einem berühmten Essay, dass der Faschismus typischerweise einen „Armageddon-Komplex“ hat – eine Fixierung auf den Sieg über den Feind in einer großen Endschlacht. Aber der europäische Faschismus der 1930er und 1940er Jahre hatte auch einen Horizont: eine Vision für ein zukünftiges goldenes Zeitalter nach dem Blutbad, das für die eigene Gruppe friedlich, idyllisch und rein sein würde. Ein solcher Horizont fehlt heute.

Die aktuellen rechtsextremen Bewegungen sind sich der echten existenziellen Bedrohungen bewusst – vom Klimazusammenbruch über den Atomkrieg bis hin zu himmelschreiender Ungleichheit und zu unregulierter Künstlicher Intelligenz. Sie haben sich aber finanziell und ideologisch der Verschärfung dieser Bedrohungen verschrieben und verfügen über keine glaubwürdige Vision für eine hoffnungsvolle Zukunft. Dem durchschnittlichen Wähler werden nur aufgewärmte Versionen vergangener Zeiten angeboten, zusammen mit dem sadistischen Vergnügen der Dominanz über eine immer größer werdende Ansammlung entmenschlichter Anderer.

Und so kommt es, dass die Trump-Regierung einen ständigen Strom von realer und KI-generierter Propaganda veröffentlicht, die ausschließlich für diese pornografischen Zwecke bestimmt ist: Aufnahmen von gefesselten Einwanderern, die auf Abschiebeflüge verladen werden, unterlegt mit dem Geräusch klirrender Ketten und zuschnappender Handschellen, die der offizielle X-Account des Weißen Hauses als „ASMR“ bezeichnete, eine Anspielung auf Töne, die das Nervensystem beruhigen sollen; oder, gesendet vom selben X-Account, der hämische Kommentar „SHALOM, MAHMOUD“ zur Nachricht von der Verhaftung Mahmoud Khalils, der mit einer unbefristeten Aufenhaltsgenemigung in den USA lebte und im propalästinensischen Protestcamp auf dem Campus der Columbia University aktiv war; oder die unzähligen sadistisch-schönen Fototermine der Heimatschutzministerin Kristi Noem (auf einem Pferd an der US-mexikanischen Grenze, vor einer überfüllten Gefängniszelle in El Salvador, mit einem Maschinengewehr in der Hand bei der Verhaftung von Einwanderern in Arizona ...). 

In unserem Zeitalter eskalierender Desaster hat sich die herrschende Ideologie der extremen Rechten zu einem monströsen, suprematistischen „survivalism“, zu einer Art Preppertum entwickelt. In ihrer Bosheit ist diese Ideologie erschreckend, aber sie eröffnet auch wirkungsvolle Möglichkeiten des Widerstands. In diesem Ausmaß gegen die Zukunft zu wetten – auf seinen Bunker zu setzen – bedeutet, auf der grundlegendsten Ebene unsere Pflichten füreinander zu verraten, ebenso wie die gegenüber den Kindern, die wir lieben, und die gegenüber jeder anderen Lebensform, mit der wir eine planetarische Heimat teilen. Dieses Glaubenssystem ist in seinem Kern völkermörderisch und grausam blind für die Wunder und die Schönheit dieser Welt. Wir sind überzeugt: Je besser die Menschen verstehen, in welchem Ausmaß die Rechte dem Armageddon-Komplex erlegen ist, desto mehr werden sie bereit sein, sich zu wehren, weil sie wissen, dass jetzt alles auf dem Spiel steht.

Endzeitgläubige an der Regierung

Unsere Gegner wissen sehr wohl, dass wir in ein Zeitalter des Ausnahmezustands eintreten, aber sie reagieren darauf, indem sie sich tödlichen, jedoch selbstsüchtigen Wahnvorstellungen hingeben. Sie schwelgen in verschiedenen Apartheidfantasien von gebunkerter Sicherheit und wollen die Erde brennen lassen. Unsere Aufgabe ist es, eine breite und tiefe Bewegung aufzubauen, die sowohl spirituell als auch politisch stark genug ist, um diese verrückten Verräter zu stoppen. Eine Bewegung, die – über unsere vielen Unterschiede und Spaltungen hinweg – in einem unerschütterlichen Engagement füreinander und für diesen wunderbaren, einzigartigen Planeten wurzelt.

Vor nicht allzu langer Zeit waren es vor allem religiöse Fundamentalisten, die die Zeichen der Apokalypse mit freudiger Erregung über die lang erwartete Entrückung begrüßten. Nun hat Trump wichtige Ämter an Leute vergeben, die dieser feurigen Orthodoxie anhängen. Darunter finden sich mehrere christliche Zionisten, die Israels Einsatz von Vernichtungsgewalt zur Ausdehnung seines Territoriums nicht als illegale Gräueltaten, sondern als religiöses Zeichen sehen: nämlich als gelungenen Beweis dafür, dass das Heilige Land sich den Bedingungen nähert, unter denen der Messias wiederkehren und die Gläubigen ihr himmlisches Königreich erhalten werden.

So pflegt Mike Huckabee, Trumps kürzlich bestätigter Botschafter in Israel, ebenso wie Pete Hegseth, der Verteidigungsminister, starke Verbindungen zum christlichen Zionismus. Kristi Noem und Russell Vought, der Architekt des Projects 2025, der jetzt das Amt für Verwaltung und Budget leitet, sind beide überzeugte Verfechter des christlichen Nationalismus. Sogar Thiel, der schwul und für seinen Partylebensstil berüchtigt ist, hat man in letzter Zeit über die Ankunft des Antichristen grübeln hören. (Spoiler: Er glaubt, dass es sich um Greta Thunberg handelt, mehr dazu weiter unten.)

Aber man muss nicht bibeltreu oder gar religiös sein, um ein Endzeitfaschist zu sein. Heute haben sich viele mächtige säkulare Menschen eine Zukunftsvision zu eigen gemacht, die einem fast identischen Drehbuch folgt, in dem die Welt, wie wir sie kennen, unter ihrem Gewicht zusammenbricht und einige wenige Auserwählte in verschiedenen Arten von Archen, Bunkern und bewachten „Freiheitsstädten“ überleben und gedeihen. In einem Papier von 2019 mit dem Titel „Left Behind: Future Fetishists, Prepping and the Abandonment of Earth“ beschreiben die Kommunikationswissenschaftlerinnen Sarah T. Roberts und Mél Hogan die Sehnsucht nach einer säkularen Entrückung: „In der akzelerationistischen Vorstellungswelt geht es bei der Zukunft nicht um Schadensbegrenzung, Grenzen oder Wiederherstellung, sondern um eine Politik, die auf ein Endspiel zusteuert.“

Elon Musk, der sein Vermögen an der Seite von Peter Thiel bei PayPal dramatisch vergrößert hat, verkörpert dieses implodierende Ethos. Er blickt auf die Wunder des Nachthimmels und sieht offenbar nur Möglichkeiten, das dunkle Unbekannte mit seinem eigenen Weltraumschrott zu füllen. Früher hat Musk seinen Ruf als Warner vor den Gefahren der Klimakrise und der Künstlichen Intelligenz aufpoliert. Jetzt verbringen er und seine Handlanger in der sogenannten Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE) ihre Tage damit, dieselben Risiken (und viele andere) zu verschärfen, indem sie nicht nur Umweltvorschriften, sondern ganze Regulierungsbehörden abbauen mit dem offensichtlichen Ziel, Bundesangestellte durch Chatbots zu ersetzen. Wer braucht schon einen funktionierenden Nationalstaat, wenn der Weltraum – jetzt angeblich Musks einzige Obsession – winkt? 

Für Musk ist der Mars zu einer säkularen Arche geworden, von der er behauptet, dass sie der Schlüssel zum Überleben der menschlichen Zivilisation sei – vielleicht indem das Bewusstsein von Menschen in eine „Künstliche Allgemeine Intelligenz“ (AGI) hochgeladen wird. Kim Stanley Robinson, der Autor der „Mars“-Trilogie, die Musk teilweise inspiriert zu haben scheint, weist unverblümt auf die Gefahren der Marsbesiedlungsfantasien des Milliardärs hin. Diese verleiteten zu Verantwortungslosigkeit, weil „sie die Illusion erzeugen, dass wir die Erde zerstören können und es uns trotzdem gut geht. Das ist absolut nicht wahr.“

Steve Bannon und das Angebot an die Fußsoldaten

Ähnlich wie bei den religiösen Endzeitlern, die sich danach sehnen, der körperlichen Welt zu entfliehen, steht hinter Musks Drang, die Menschheit „multiplanetarisch“ zu machen, eine Unfähigkeit, die artenreiche Pracht unserer einzigen Heimat zu schätzen. Offensichtlich hat er kein Interesse an den unermesslichen natürlichen Reichtümern, die ihn umgeben, oder daran, dass die Erde weiterhin vor Vielfalt strotzt. Stattdessen will er mit seinem riesigen Vermögen eine Zukunft schaffen, in der eine Handvoll Menschen und Roboter auf zwei kargen Himmelskörpern – einer radikal erschöpften Erde und einem terraformierten Mars – überleben. In einer seltsamen Abwandlung der alttestamentarischen Geschichte begnügen sich Musk und seine Techmilliardärskollegen nicht damit, die Archen zu bauen. Sie maßen sich gottähnliche Kräfte an und geben offenbar ihr Bestes, um die Flut zu verursachen. Die heutigen rechten Führer und ihre reichen Verbündeten nutzen Katastrophen nicht nur im Stil der Schockdoktrin und des Katastrophenkapitalismus aus, sondern provozieren und planen sie gleichzeitig.

Doch was ist mit der MAGA-Basis? Nicht alle sind gläubig genug, um ernsthaft an die Entrückung zu glauben, und die meisten haben sicherlich nicht das Geld, um sich einen Platz in einer „Stadt der Freiheit“ zu kaufen, geschweige denn in einem Raumschiff. Doch keine Angst. Der Endzeitfaschismus verspricht viele weitere erschwingliche Archen und Bunker, die auch für Fußsoldaten der unteren Ebene gut zu erreichen sind.

Hören Sie sich den täglichen Podcast von Steve Bannon an – der sich als MAGAs wichtigstes Medienunternehmen bezeichnet –, und Sie werden mit einer einzigen Botschaft bombardiert: Die Welt geht zum Teufel, die Ungläubigen durchbrechen die Barrikaden, und eine letzte Schlacht steht bevor. Seien Sie vorbereitet. Die Botschaft der Vorbereitung wird besonders deutlich, wenn Bannon dazu übergeht, die Produkte seiner Werbekunden anzupreisen. Kauft Birkengold, sagt Bannon seinem Publikum, denn die überschuldete US-Wirtschaft wird zusammenbrechen, und den Banken kann man nicht trauen. Decken Sie sich mit Fertiggerichten von „My Patriot Supply“ ein. Schärfen Sie Ihre Zielübungen mit einem lasergesteuerten System für Ihr Zuhause. Das Letzte, was Sie während einer Katastrophe tun sollten, ist, sich auf die Regierung zu verlassen, erinnert er die Zuhörer (ungesagt bleibt: besonders jetzt, da die DOGE-Jungs die Regierung in Einzelteile zerlegen).

Der neue Imperialismus: Preppen für Nationalstaaten

Bannon fordert seine Zuhörer natürlich nicht nur dazu auf, ihre eigenen Bunker zu bauen. Er propagiert auch die Vision von den Vereinigten Staaten als einem Bunker, in der die Agenten der Abschiebebehörde ICE auf den Straßen, an den Arbeitsplätzen und in den Universitäten herumschleichen und diejenigen verschwinden lassen, die als Feinde der US-Politik und -Interessen gelten. Die gebunkerte Nation ist das Herzstück der MAGA-Agenda und des Endzeitfaschismus. In ihrer Logik besteht die erste Aufgabe darin, die nationalen Grenzen zu befestigen und alle Feinde, ob im In- oder Ausland, auszuschalten. Dieses hässliche Werk ist nun in vollem Gange, denn die Trump-Administration hat sich auf den Alien Enemies Act berufen, um hunderte venezolanischer Einwanderer in das CECOT, das berüchtigte Megagefängnis in El Salvador, abzuschieben, was durch den Obersten Gerichtshof ermöglicht wurde. Die Einrichtung, in der den Gefangenen die Köpfe rasiert werden und bis zu 100 Personen in einer einzigen Zelle mit hölzernen Pritschen untergebracht sind, wird im Rahmen des „Ausnahmezustands“ betrieben: Dieser hebt Bürgerrechte auf und wurde vor über drei Jahren von einem Kryptofan, dem christlich-zionistischen Premierminister des Landes, Nayib Bukele, ausgerufen. Bukele hat angeboten, dasselbe gebührenpflichtige System auch für US-Bürger anzubieten, welche die Regierung gerne in einem juristischen schwarzen Loch verschwinden lassen würde. „Das gefällt mir“, sagte Trump kürzlich, als er zu diesem Vorschlag befragt wurde. Kein Wunder: CECOT ist die kranke, wenn auch logische Konsequenz der Fantasie von der „Stadt der Freiheit“ – eine Zone, in der alles käuflich ist und kein ordentliches Verfahren gilt. Wir sollten uns auf noch viel mehr Sadismus dieser Art einstellen. In einer erschreckend offenen Erklärung sagte der amtierende ICE-Direktor Todd Lyons auf der Border Security Expo 2025, er wünsche sich einen mehr „geschäftsorientierten“ Ansatz für diese Abschiebungen, „wie [Amazon] Prime, aber mit Menschen“.

Wenn die Überwachung der Grenzen der gebunkerten Nation die erste Aufgabe des Endzeitfaschismus ist, dann ist die zweite Aufgabe ebenso wichtig: Die US-Regierung sollte sich alle Ressourcen sichern, die ihre geschützten Bürger benötigen, um die kommenden harten Zeiten zu überstehen – seien es der Panamakanal oder die schnell freischmelzenden Schifffahrtsrouten Grönlands oder die Seltenen Erden der Ukraine oder Kanadas Süßwasser. Wir sollten dies weniger als Imperialismus der alten Schule betrachten, sondern vielmehr als überdimensionales Prepping – auf der Ebene des Nationalstaats. Vorbei sind die alten kolonialen Feigenblätter der Verbreitung von Demokratie oder Gottes Wort – wenn Trump den Globus begehrlich absucht, legt er Vorräte für den zivilisatorischen Zusammenbruch an.

Diese Bunkermentalität erklärt auch die umstrittenen Ausflüge von JD Vance in die katholische Theologie. Der Vizepräsident, der seine politische Karriere zu einem nicht geringen Teil der Großzügigkeit des Vorbild-Preppers Thiel verdankt, erklärte gegenüber Fox News, dass nach dem mittelalterlichen christlichen Konzept des Ordo amoris (übersetzt sowohl als „Ordnung der Liebe“ als auch als „Ordnung der Nächstenliebe“) die Liebe nicht denen außerhalb des Bunkers geschuldet ist: „Du liebst deine Familie, dann liebst du deinen Nächsten, dann liebst du deine Gemeinschaft und dann liebst du deine Mitbürger in deinem Land. Und danach kann man sich auf den Rest der Welt konzentrieren und ihm Priorität einräumen.“ (Oder auch nicht, wie die Außenpolitik der Trump-Regierung vermuten lässt.) Mit anderen Worten: Wir schulden außerhalb unseres Bunkers niemandem etwas.

Apokalypse statt Ende der Geschichte

Obwohl sie sich auf althergebrachte rechte Tendenzen stützt – die Rechtfertigung hasserfüllter Ausgrenzungen ist unter der Sonne des Ethnonationalismus kaum neu –, hatten wir es in der Regierung noch nie mit einer so starken apokalyptischen Strömung zu tun. Das „Ende der Geschichte“ aus der Ära nach dem Kalten Krieg wird rasch von der Überzeugung verdrängt, dass wir uns tatsächlich am Ende der Zeiten befinden. DOGE mag das Banner wirtschaftlicher „Effizienz“ vor sich hertragen, und Musks Untergebene mögen Erinnerungen an die jungen, in den USA ausgebildeten „Chicago Boys“ wachrufen, die die wirtschaftliche Schocktherapie für das diktatorische Regime von Augusto Pinochet entwarfen, aber es handelt sich nicht einfach um die alte Verbindung von Neoliberalismus und Neokonservatismus. Es ist ein neuer, das Geld anbetender, millenaristischer[2] Mashup, eine ideologische Collage, die verlangt, dass wir die Bürokratie zerschlagen und Menschen durch Chatbots ersetzen, um „Verschwendung, Betrug und Missbrauch“ einzudämmen – und auch, weil die Bürokratie der Ort ist, an dem sich die Dämonen verstecken, die Trump widerstehen. Hier verschmelzen die Tech-Bros mit den Theo-Bros[3], einer realen Gruppe von hyperpatriarchalischen christlichen Suprematisten mit Verbindungen zu Hegseth und anderen in der Trump-Regierung.

Wie es der Faschismus immer tut, überschreitet der heutige Armageddon-Komplex die Klassengrenzen und verbindet Milliardäre mit der MAGA-Basis. Dank der jahrzehntelangen Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks und der unaufhörlichen und geschickten Botschaften, mit denen die Arbeiterinnen und Arbeiter gegeneinander ausgespielt werden, fühlen sich viele Menschen verständlicherweise nicht in der Lage, sich vor dem sie umgebenden Zerfall zu schützen (egal, für wie viele Monate sie sich sich mit Fertiggerichten eindecken). Aber es gibt emotionale Entschädigungen: Man kann das Ende von Affirmative Action und Diversitätsprogrammen bejubeln, Massendeportationen verherrlichen, sich an der Verweigerung geschlechtsangleichender Behandlungen für Transpersonen erfreuen, Pädagogen und Gesundheitspersonal verunglimpfen, die meinen, es besser zu wissen als man selbst, und dem Niedergang von Wirtschafts- und Umweltvorschriften applaudieren, um es den Linken mal so richtig zu zeigen. Der Endzeitfaschismus ist ein düster-feierlicher Fatalismus – eine letzte Zuflucht für diejenigen, die es einfacher finden, die Zerstörung zu feiern, als sich ein Leben ohne Vorherrschaft vorzustellen.

Es ist eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale: Trumps wütende Angriffe auf jede Struktur, die die Öffentlichkeit vor Krankheiten, gefährlichen Lebensmitteln und Katastrophen schützen soll – oder bloß die Öffentlichkeit darüber informiert, wenn Katastrophen auf sie zukommen –, liefern noch mehr Gründe für das Preppertum sowohl am obersten als auch am untersten Ende der Gesellschaft, während sie gleichzeitig unzählige neue Möglichkeiten für Privatisierungen und für die Profitmacherei ebenjener Oligarchen schaffen, die diese rasante Demontage des Sozial- und Regulierungsstaats vorantreiben.

Zu Beginn von Trumps erster Amtszeit untersuchte der „New Yorker“ ein Phänomen, das er als „Weltuntergangsvorbereitung für die Superreichen“ bezeichnete. Schon damals war klar, dass sich im Silicon Valley und an der Wall Street die seriöseren High-End-Überlebenskünstler gegen Klimakatastrophen und den gesellschaftlichen Zusammenbruch absicherten, indem sie Platz in speziell angefertigten unterirdischen Bunkern kauften und Fluchthäuser in höher gelegenen Gegenden wie Hawaii (dort hat Mark Zuckerberg seine unterirdische Bude mit 5000 Quadratmetern Fläche, die er als „kleinen Unterschlupf“ herunterspielte) und Neuseeland (wo Thiel fast 500 Hektar Land kaufte, aber sein Plan, ein luxuriöses Überlebensanwesen zu bauen, 2022 von den örtlichen Behörden als unschön abgelehnt wurde).

Dieser Millenarismus ist mit einer Reihe anderer intellektueller Modeerscheinungen aus dem Silicon Valley verknüpft, die alle auf dem endzeitlichen Glauben beruhen, dass unser Planet auf eine Katastrophe zusteuert und es an der Zeit ist, harte Entscheidungen darüber zu treffen, welche Teile der Menschheit gerettet werden können. Der Transhumanismus ist eine solche Ideologie, die alles umfasst, von geringfügigen maschinellen „Erweiterungen“ des Menschen bis hin zu dem Bestreben, die menschliche Intelligenz in eine noch immer illusorische Super-KI zu übertragen. Es gibt auch den „effektiven Altruismus“ und den „longtermism“, die beide auf Umverteilungsansätze verzichten, die den Bedürftigen im Hier und Jetzt helfen könnten, und stattdessen einen Kosten-Nutzen-Ansatz verfolgen, um langfristig das vermeintlich Beste zu erreichen. Obwohl sie auf den ersten Blick gutartig erscheinen, sind diese Ideen von gefährlichen rassistischen, ableistischen und geschlechtsspezifischen Vorurteilen darüber durchzogen, welche Teile der Menschheit es wert sind, verbessert und gerettet zu werden – und welche für das vermeintliche Wohl des Ganzen geopfert werden könnten. Gemeinsam ist ihnen auch ein ausgeprägtes Desinteresse an der dringend nötigen Bekämpfung der Ursachen des Zusammenbruchs – ein verantwortungsbewusstes und rationales Ziel, das eine wachsende Gruppe von Persönlichkeiten inzwischen aktiv meidet. 

Anstelle von effektivem Altruismus haben sich der Mar-a-Lago-Stammgast Andreessen und andere ohnehin dem „effektiven Akzelerationismus“ verschrieben, das heißt dem „bewussten Vorantreiben der technologischen Entwicklung“ ohne Leitplanken. Inzwischen finden sogar noch düsterere Philosophien ein breiteres Publikum, wie die neoreaktionären Tiraden des Programmierers Curtis Yarvin für die Monarchie (ein weiteres intellektuelles Fundament Thiels) oder die Besessenheit der „Pro-Natalismus“-Bewegung, die Zahl der „westlichen“ Babys dramatisch zu erhöhen (eine fixe Idee Musks) sowie die Vision des Exit-Gurus Srinivasan von einem „techzionistischen“ San Francisco, in dem sich Konzerntreue und Polizei zusammentun, um die Stadt politisch von Liberalen zu säubern und Platz für ihren vernetzten Apartheidstaat zu schaffen.

Wie die KI-Wissenschaftlerin Timnit Gebru und ihr Kollege Émile P. Torres schreiben, mögen die Methoden zwar neu sein, aber dieses „Bündel“ ideologischer Moden „sind direkte Nachfahren der Eugenik der ersten Welle“. Damals sollte ebenfalls eine kleine Teilmenge der Menschheit darüber entscheiden, welche Teile des Ganzen es wert seien, weitergeführt zu werden, und welche langsam absterben, ausgedünnt oder ausgemerzt werden sollten. Bis vor kurzem hat das kaum jemand beachtet. Ähnlich wie in der Konzernstadt Próspera, wo die Bewohner bereits mit der Verschmelzung von Mensch und Maschine experimentieren können, indem sie sich beispielsweise ihre Tesla-Schlüssel in die Hand implantieren lassen, schienen diese intellektuellen Marotten nur die Steckenpferde einiger weniger Dilettanten aus der Bay Area zu sein, die Geld und Vorsicht aus dem Fenster werfen können. Das ist nun vorbei.

Drei aktuelle materielle Entwicklungen haben die apokalyptische Anziehungskraft des Endzeitfaschismus noch verstärkt. Die erste ist die Klimakrise. Während einige hochrangige Persönlichkeiten die Bedrohung immer noch öffentlich leugnen oder herunterspielen, sind die globalen Eliten, deren am Meer gelegene Grundstücke und Rechenzentren durch steigende Temperaturen und Meeresspiegel stark gefährdet sind, mit den verzweigten Gefahren einer sich ständig erhitzenden Welt bestens vertraut. Die zweite ist Covid-19: Epidemiologische Modelle hatten schon lange die Möglichkeit einer Pandemie vorhergesagt, die unsere global vernetzte Welt verwüstet. Das tatsächliche Eintreffen einer solchen wurde von vielen Mächtigen als Zeichen dafür gewertet, dass wir offiziell im „Zeitalter der Konsequenzen“ angekommen sind, wie es US-Militäranalysten vorhergesagt haben. Das sind keine Prognosen mehr, es geht tatsächlich abwärts. Der dritte Faktor ist der rasche Fortschritt und die Anwendung von KI, einer Reihe von Technologien, die lange Zeit mit Science-Fiction-Schrecken vor Maschinen in Verbindung gebracht wurden, die sich mit rücksichtsloser Effizienz gegen ihre Schöpfer wenden – Befürchtungen, die von denselben Leuten, die diese Technologien entwickeln, am stärksten zum Ausdruck gebracht wurden. Neben all diesen existenziellen Krisen eskalieren die Spannungen zwischen atomar bewaffneten Mächten.

Die Angst vor der Katastrophe ist keine Paranoia

Nichts davon sollte als Paranoia abgetan werden. Viele von uns spüren die drohende Katastrophe so deutlich, dass wir uns damit abfinden, indem wir uns mit verschiedenen Versionen des Lebens in einem postapokalyptischen Bunker, mit Apples „Silo“[4] oder Hulus „Paradise“[5] unterhalten. Wie der britische Analytiker und Publizist Richard Seymour in seinem kürzlich erschienenen Buch „Disaster Nationalism“ betont: „Die Apokalypse ist keine bloße Fantasie. Wir leben schließlich in ihr, von tödlichen Viren bis hin zur Bodenerosion, von der Wirtschaftskrise bis hin zum geopolitischen Chaos.“

Das Wirtschaftsprojekt von Trump 2.0 ist ein Frankenstein-Monster, zusammengesetzt aus den Industrien, die all diese Bedrohungen antreiben – fossile Brennstoffe, Waffen sowie ressourcenhungrige Kryptowährungen und KI. Jeder, der in diesen Sektoren tätig ist, weiß, dass es keine Möglichkeit gibt, die künstliche Spiegelwelt zu bauen, die KI zu konstruieren verspricht, ohne die bestehende Welt zu opfern, denn diese Technologien verbrauchen zu viel Energie, zu viele kritische Mineralien und zu viel Wasser, als dass beide in irgendeiner Art von Gleichgewicht nebeneinander existieren könnten. Im April 2025 gab der ehemalige Google-Manager Eric Schmidt dies zu und erklärte vor dem Kongress, dass sich der „enorme“ Energiebedarf der KI in den nächsten Jahren voraussichtlich verdreifachen wird, wobei ein Großteil davon aus fossilen Brennstoffen stammen wird, da die Kernenergie nicht schnell genug ans Netz gehen kann.[6] Dieser den Planeten vernichtende Verbrauch sei notwendig, um eine Intelligenz zu ermöglichen, die „höher“ ist als die der Menschheit, einen digitalen Gott, der aus der Asche unserer aufgegebenen Welt aufsteigt.

Und sie sind besorgt – nur nicht über die tatsächlichen Bedrohungen, die sie selbst entfesseln. Was die Führungskräfte dieser verstrickten Industrien nachts wachhält, ist die Aussicht auf einen zivilisatorischen Weckruf – auf ernsthafte, international koordinierte Bemühungen der Regierungen, ihre Schurkensektoren in die Schranken zu weisen, bevor es zu spät ist. Aus der Perspektive ihrer ständig wachsenden Gewinne ist nicht ökologischer Kollaps die Apokalypse, sondern staatliche Regulierung.

Silicon Valley hat genug von Altruismus

Die Tatsache, dass ihre Gewinne auf der Verwüstung des Planeten basieren, erklärt, warum der Diskurs der Mächtigen über Weltverbesserung immer mehr einem offenen Ausdruck der Verachtung für die Idee weicht, dass wir einander aufgrund unseres gemeinsamen Menschseins etwas schulden. Das Silicon Valley hat genug von Altruismus, ob effektiv oder nicht. Mark Zuckerberg von Meta sehnt sich nach einer Kultur, die „Aggression“ feiert.[7] 

Alex Karp, Thiels Geschäftspartner bei der Überwachungsfirma Palantir Technologies, tadelt die nur zur Niederlage führende „Selbstgeißelung“[8] derer, die die amerikanische Überlegenheit und die Vorteile autonomer Waffensysteme[9] infrage stellen (und damit auch die lukrativen Militärverträge, die Karps riesiges Vermögen begründet haben). Musk teilt Joe Rogan mit, dass Empathie „die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation“[10] sei, und lässt seinem Ärger freien Lauf[11], nachdem es ihm nicht gelungen ist[12], eine Wahl zum Obersten Gerichtshof in Wisconsin zu kaufen: „Es scheint immer mehr, dass die Menschheit ein biologischer Bootloader[13] für digitale Superintelligenz ist.“ Das bedeutet, wir Menschen sind nichts weiter als Futter für Grok, den KI-Dienst, der Musk gehört. (Er hat uns gesagt, er selbst sei ein „dunkler MAGA“ – er ist nicht der Einzige.) 

Im wasserarmen und klimatisch belasteten Spanien nennt sich eine der Gruppen, die ein Moratorium für neue Rechenzentren fordern, „Tu Nube Seca Mi Río“ („Deine Cloud trocknet meinen Fluss aus“).[14] Der Name ist passend, und das nicht nur für Spanien. Vor unseren Augen und ohne unsere Zustimmung wird eine unsagbar düstere Entscheidung getroffen: Maschinen vor Menschen, unbelebt vor belebt, Profit vor allem anderen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit haben die großen, größenwahnsinnigen Technologiefirmen still und leise ihre Versprechen, klimaneutral zu werden, zurückgenommen und sich an Trumps Seite gestellt, wild entschlossen, die realen und kostbaren Ressourcen und die Kreativität dieser Welt auf dem Altar eines vampirhaften, virtuellen Reiches zu opfern. Dies ist der letzte große Raubzug, und sie bereiten sich darauf vor, die Stürme zu überstehen, die sie selbst heraufbeschworen haben – und sie werden versuchen, jeden zu diffamieren und zu vernichten, der ihnen in die Quere kommt.

Man denke nur an Vances jüngsten Aufenthalt in Europa, als der Vizepräsident die Staats- und Regierungschefs der Welt wegen ihres „Herumjammerns über Sicherheit“ in Bezug auf die arbeitsplatzvernichtende KI angriff und gleichzeitig forderte, dass nationalsozialistische und faschistische Reden online ungehindert verbreitet werden dürfen. An einer Stelle machte er eine bezeichnende Bemerkung und erwartete einen Lacher, der jedoch ausblieb: „Wenn die amerikanische Demokratie zehn Jahre lang Greta Thunbergs Schelte überstehen kann, dann könnt ihr auch ein paar Monate mit Elon Musk überstehen.“

Sein Kommentar wiederholte die Äußerungen seines ebenso humorlosen Gönners Thiel. In aktuellen Interviews, die sich auf die theologischen Grundlagen seiner rechtsextremen Politik konzentrierten, hat der christliche Milliardär die unermüdliche junge Klimaaktivistin wiederholt mit dem Antichristen verglichen – eine Gestalt, so warnt er, von der prophezeit worden sei, sie komme mit einer irreführenden Botschaft von „Frieden und Sicherheit“. „Wenn Greta alle Menschen auf der Welt dazu bringt, Fahrrad zu fahren, ist das vielleicht eine Möglichkeit, das Problem des Klimawandels zu lösen, aber es gleicht irgendwie dem Weg vom Regen in die Traufe“, so Thiel.

Warum Thunberg, warum jetzt? Zum Teil ist es eindeutig die apokalyptische Angst, dass Regulierungen ihre Superprofite schmälern könnten: Laut Thiel könnte der wissenschaftlich fundierte Klimaschutz, den Thunberg und andere fordern, nur von einem „totalitären Staat“[15] durchgesetzt werden, was seiner Meinung nach eine größere Bedrohung darstelle als der Klimawandel selbst (besonders beunruhigend sei, dass die Steuern unter solchen Bedingungen „ziemlich hoch“[16] wären). Es gibt vielleicht noch etwas anderes an Thunberg, das sie erschreckt: dass sie sich unerschütterlich für diesen Planeten und die vielen Lebensformen, die er beheimatet, engagiert und nicht für Simulationen dieser Welt, die von KI erzeugt werden. Ebenfalls nicht für eine Hierarchie von Lebewesen, die es verdienen, zu leben, und solchen, die es nicht verdienen, und auch nicht für eine der verschiedenen außerplanetarischen Fluchtfantasien, die die Endzeitfaschisten verkaufen. Sie ist entschlossen zu bleiben, während die Endzeitfaschisten, zumindest in ihrer eigenen Vorstellung, diese Welt bereits verlassen haben, sich in ihren opulenten Zufluchtsorten verschanzt haben oder in den digitalen Äther oder auf den Mars aufgestiegen sind.

Das apokalyptische Fieber brechen

Kurz nach Trumps Wiederwahl hatte eine von uns die Gelegenheit, Anohni zu interviewen, eine der wenigen Musikerinnen, die versucht haben, Kunst zu schaffen, die sich mit dem Todestrieb, der unsere Welt erfasst hat, auseinandersetzt.[17] Auf die Frage, was die Bereitschaft mächtiger Menschen, den Planeten brennen zu lassen, mit dem Bestreben verbindet, Frauen und Transpersonen wie ihr die körperliche Selbstbestimmung zu verweigern, antwortete sie unter Berufung auf ihre irisch-katholische Erziehung: Es handele sich um „einen seit langem bestehenden Mythos, den wir darstellen und verkörpern. Dies ist der Höhepunkt ihrer Entrückung. Dies ist ihre Flucht aus dem sinnlichen Kreislauf der Schöpfung. Dies ist ihre Flucht vor der Mutter.“

Wie können wir dieses apokalyptische Fieber brechen? Zunächst indem wir uns gegenseitig helfen, die Tiefe der Verdorbenheit zu erkennen, die die extreme Rechte in all unseren Ländern erfasst hat. Um zielgerichtet voranzukommen, müssen wir zunächst diese einfache Tatsache verstehen: Wir stehen einer Ideologie gegenüber, die nicht nur die Prämisse und das Versprechen der liberalen Demokratie aufgegeben hat, sondern auch die Bewohnbarkeit unserer gemeinsamen Welt – ihre Schönheit, ihre Menschen, unsere Kinder, andere Arten. Die Kräfte, gegen die wir ankämpfen, haben sich mit dem Massensterben abgefunden. Sie sind Verräter an dieser Welt und ihren menschlichen und nichtmenschlichen Bewohnern.

Zweitens setzen wir ihren apokalyptischen Erzählungen eine weitaus bessere Geschichte entgegen, wie wir die vor uns liegenden schweren Zeiten überleben können, ohne jemanden zurückzulassen. Eine Geschichte, die in der Lage ist, dem Endzeitfaschismus seine „gothic power“, seine dunkle Macht, zu entziehen und eine Bewegung zu mobilisieren, die bereit ist, alles für unser kollektives Überleben einzusetzen. Eine Geschichte nicht von Endzeiten, sondern von besseren Zeiten; nicht von Trennung und Vorherrschaft, sondern von gegenseitiger Abhängigkeit und Zugehörigkeit; nicht von Flucht, sondern vom Bleiben und der Treue zu der unruhigen irdischen Realität, in die wir verstrickt und eingebunden sind.

Dieses Grundgefühl ist natürlich nicht neu. Es ist von zentraler Bedeutung für die indigenen Kosmologien und liegt dem Animismus zugrunde. Wenn man weit genug zurückgeht, hat jede Kultur und jeder Glaube eine eigene Tradition, die Heiligkeit des Hier zu respektieren und nicht nach Zion in einem schwer fassbaren, immer fernen gelobten Land zu suchen. In Osteuropa organisierte sich der jüdische sozialistische Arbeiterbund vor den faschistischen und stalinistischen Vernichtungen um das jiddische Konzept des Doikejt oder „Hierseins“. Molly Crabapple, die ein demnächst erscheinendes Buch über diesen vernachlässigten Teil der Geschichte geschrieben hat, definiert Doikejt als das Recht, „an den Orten, an denen sie lebten, für Freiheit und Sicherheit zu kämpfen, allen denen zum Trotz, die ihnen den Tod wünschten“ –, und nicht gezwungen zu sein, in Sicherheit nach Palästina oder in die Vereinigten Staaten zu fliehen.[18] Vielleicht ist eine moderne Universalisierung dieses Konzepts erforderlich: eine Verpflichtung auf das Recht des „Hierseins“ auf diesem besonderen, kranken Planeten, auf diese gebrechlichen Körper, auf das Recht, in Würde zu leben, wo auch immer auf der Welt wir uns befinden, selbst wenn die unvermeidlichen Erschütterungen uns zwingen, umzuziehen. „Hiersein“ kann tragbar sein, frei von Nationalismus, in Solidarität verwurzelt, die Rechte der Ureinwohner respektierend und grenzenlos. Diese Zukunft würde ihre eigene Apokalypse, ihr eigenes Weltende und ihre eigene Offenbarung erfordern, wenn auch ganz anderer Art. Denn wie die Polizeiwissenschaftlerin Robyn Maynard festgestellt hat: „Um das Überleben auf der Erde zu ermöglichen, müssen einige Versionen dieser Welt enden.“[19]

Wir stehen vor einer Entscheidung: Wir werden nicht befinden, ob eine Apokalypse eintritt, sondern in welcher Form. Die Aktivistinnen Adrienne Maree und Autumn Brown haben dies kürzlich in ihrem Podcast mit dem treffenden Titel „How to Survive the End of the World“ (Wie wir das Ende der Welt überleben) angesprochen. In diesem Moment, in dem der Endzeitfaschismus an allen Fronten Krieg führt, sind neue Bündnisse unerlässlich. Doch anstatt zu fragen „Teilen wir alle dieselbe Weltanschauung?“, fordert Adrienne uns auf, zu fragen: „Schlägt dein Herz und planst du zu leben? Dann komm hier entlang und wir werden den Rest auf der anderen Seite klären.“ Um eine Chance zu haben, die Endzeitfaschisten mit ihren immer enger werdenden und erstickenden konzentrischen Kreisen der „geordneten Liebe“ zu bekämpfen, müssen wir eine rebellische, offenherzige Bewegung aus Menschen bilden, die diese Erde lieben: treue Anhänger dieses Planeten, seiner Menschen, seiner Geschöpfe und der Möglichkeit einer lebenswerten Zukunft für uns alle. Treue Anhänger des „Hier“. Oder, um Anohni noch einmal zu zitieren, diesmal in Bezug auf die Göttin, an die sie jetzt glaubt: „Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass das hier vielleicht ihre beste Idee war?“

Deutsche Erstveröffentlichung eines Artikels, der unter dem Titel „The rise of end times fascism“ am 13. April in „The Guardian“ erschienen ist. Übersetzung: Ferdinand Muggenthaler.

[1] Zoë Bernard, Christianity Was „Borderline Illegal“ in Silicon Valley. Now It’s the New Religion, vanityfair.com, 20.3.2025.

[2] Der Begriff Millenarismus bezieht sich auf die Erwartung eines kommenden „Tausendjährigen Reichs“. Er ist unter evangelikalen Christen in den USA weit verbreitet und oft verknüpft mit der Vorstellung, dass zuvor die wahren Gläubigen „entrückt“, also durch Gott von der Erde entfernt werden, während dort die Schlacht von Armageddon tobt. Anm. d. Ü.

[3] Kiera Butler, To Understand JD Vance, You Need to Meet the „TheoBros“, motherjones.com, 9.10.2024.

[4] Lucy Mangan, Silo review – this rich dystopian drama is absolutely thrilling, theguardian.com, 5.5.2023.

[5] Lucy Mangan, Paradise review – a whodunnit with wit, heart and Sterling K Brown. Who could ask for more?, theguardian.com, 28.1.2025.

[6] House Committee on Energy and Commerce, Full Committee: „Future of AI Technology, Human Discovery, and American Global Competitiveness“, youtube.com, 9.4.2025.

[7] PowerfulJRE, Joe Rogan Experience #2255 - Mark Zuckerberg, youtube.com, 10.1.2025.

[8] Palantir, Alex Karp talks US software dominance, DOGE, and his book The Technological Republic, CNBC, youtube.com, 19.2.2025.

[9] Alexander C. Karp und Nicholas W. Zamiska, Why American tech companies need to help build AI weaponry, washingtonpost.com, 25.1.2024.

[10] PowerfulJRE, Joe Rogan Experience #2281 – Elon Musk, youtube.com, 28.2.2025.

[11] Elon Musk, x.com, 2.4.2025.

[12] Ari Berman, Elon Musk Tried to Buy Wisconsin’s Supreme Court. He Lost, motherjones.com, 1.4.2025.

[13] Ein Bootloader ist ein Dienstprogramm, das beim Einschalten eines Computers abläuft, um das Betriebssystem zu laden. Anm. d. Ü.

[14] Luke Barret, Constanza Gambarini, Andrew Witherspoon und Aliya Uteuova, Revealed: Big tech’s new datacentres will take water from the world’s driest areas, theguardian.com, 9.4.2025.

[15] Tyler Cowen, Peter Thiel on Political Theology (Ep. 210), conversationswithtyler.com, 17.4.2024.

[16] Peter Robinson, Part II: Apocalypse Now? Peter Thiel on Ancient Prophecies and Modern Tech, hoover.org, 6.12.2024.

[17] Chan Centre for the Performing Arts, ANOHNI and Naomi Klein in Conversation, youtube.com, 5.4.2025.

[18] Molly Crabapple, The War on Memory: Learning from the Jewish Labor Bund, thefunambulist.net, 17.12.2024.

[19] Robyn Maynard und Leanne Betasamosake Simpson, Rehearsals for Living, Chicago 2022.

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