Bild: Eine Bushaltestelle in Havanna ist praktisch zu einem »Friedhof« für Busse geworden. Zahlreiche Fahrzeuge stehen dort verlassen und verrostet und spiegeln den starken Verfall des öffentlichen Nahverkehrssystems in Kuba wider, 6.7.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)
Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen. Akademiker und die Parteispitze diskutierten über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Modelle, aber bei der Bevölkerung, die damals aufgrund der eisernen Zensur kaum Zugang zu internationalen Medien hatte, kam davon wenig an. Einzig die brutale Wirtschaftskrise, von Revolutionsführer Fidel Castro »Sonderperiode in Friedenszeiten« genannt, schlug in voller Härte durch und hat ein gesellschaftliches Trauma hinterlassen, das in diesen Tagen wieder zum Vorschein kommt: Die Lehre, dass man sich besser selbst hilft, als auf den Staat zu hoffen. Diese Mentalität schafft Krisenresilienz, aber auch ein tiefes Misstrauen, das seither das Verhältnis von Gesellschaft und Staat prägt.
Damals überlebte die kubanische Führung die Krise, und viele der Reformer, die sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatten – etwa Vizepräsident Carlos Lage oder die Akademiker aus dem renommierten »Zentrum für Amerikastudien«, wurden entmachtet. Ihr Tabubruch: Sie hatten die Probleme nicht nur dem US-Embargo in die Schuhe geschoben, sondern auch Fehler der kubanischen Wirtschaftspolitik benannt. Seit-her ploppt die Reformdebatte in unregelmäßigen Abständen wieder auf.