Ausgabe Juli 2026

Chile: Rechte Restauration mit Rissen

José Antonio Kast spricht vor dem chilenischen Nationalkongress, 1.6.2026 (IMAGO / Aton Chile)

Bild: José Antonio Kast spricht vor dem chilenischen Nationalkongress, 1.6.2026 (IMAGO / Aton Chile)

Seit März regiert in Chile José Antonio Kast – und damit erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie ein Vertreter der Ultrarechten und Bewunderer des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet, der das Land fast 17 Jahre, von 1973 bis 1990, beherrschte. Doch obwohl der 60-jährige strenggläubige Katholik mit großem Zuspruch startete, ist seine Regierung in der Gunst der Chilen:innen schon vor Ablauf der ersten 100 Tage im Amt abgestürzt. Bereits jetzt zeigt Kasts Projekt einer rechtskonservativen Restauration deutliche Risse. Als er Mitte Dezember 2025 die Präsidentschaftswahl mit 58 Prozent der Stimmen gegen seine Herausforderin von der Kommunistischen Partei, Jeannette Jara, gewann, war das ein enormer Triumph für die extreme Rechte in Chile: Über sieben Millionen Menschen stimmten für Kast. Damit konnte der Jurist und Sohn eines deutschen Wehrmachtsoffiziers, auch dank der 2022 wieder eingeführten Wahlpflicht, mehr Stimmen auf sich vereinigen als jeder andere Präsident in der Geschichte des Landes. Seine Wahl beendete die Phase des linken Aufbruchs in Chile, die 2019 mit einer sozialen Revolte begonnen hatte.

»Blätter«-Ausgabe 7/2026

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Aktuelle Ausgabe Juli 2026

In der Juli-Ausgabe zeigt Jan Niklas Reiche auf, was die demokratischen Parteien bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt noch tun müssen, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Thomas Assheuer seziert die essayistischen Elaborate von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und legt offen, worum es ihm im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienst eines dezidiert antiliberalen Christentums. Klaus Lederer beschreibt, wie eine autoritäre Internationale gegen queere Menschen und die von ihnen erkämpften Rechte mobil macht. Jan Schlemermeyer plädiert für eine antifaschistische Sicherheitspolitik, die Demokratie als Kernanliegen begreift. Winfried Thaa erinnert an das Gründungsereignis der neuzeitlichen Demokratie – die Amerikanische Revolution und Verfassungsgebung vor 250 Jahren –, die heute durch Donald Trump ausgerechnet am Ort ihrer Entstehung zerstört zu werden droht. Stefan Messingschlager erläutert, was die bilaterale Stabilisierung zwischen Trump und Xi Jinping für Europa bedeutet. Paul Starzmann ergründet, wie weit Wladimir Putins Einfluss in Afrika tatsächlich reicht. Und Friederike Otto erklärt mit Jürgen Habermas, warum die Demokratie zur Bekämpfung der Klimakrise unabdingbar ist. 

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