Das Ende des Westens und der fossilen Welt
Bild: Windräder auf der Schwäbischen Alb (IMAGO / onw-images)
Die beiden autokratischen Führer Donald Trump und Wladimir Putin stützen ihre Macht auf fossile Energieträger, doch diese sind dabei, an Bedeutung zu verlieren. Gleichzeitig werden die USA unter Trump immer autoritärer. Damit ändert sich die globale Machtanordnung: Die wichtigste Konfliktlinie verläuft nicht mehr zwischen Demokratien des »Westens« und Autokratien, sondern zunehmend zwischen Petrostaaten und postfossilen Elektrostaaten.
Wohlstand und Freiheit zu verbinden, dafür stand 80 Jahre lang der demokratische Kapitalismus. In Europa und den USA wurde er gerne ideologisch zu »dem Westen« überhöht. Doch schon immer durfte die Idee des Westens nicht mit der Realpolitik der westlichen Staaten verwechselt werden. Im Globalen Süden wurde der Westen zumeist als Neokolonialismus erfahren, ja, in Lateinamerika, aber auch in Südafrika mussten die Werte des Westens sogar gegen Europa und die USA erkämpft werden.
Nicht nur wegen dieser Erfahrung eklatanter Doppelmoral, die durch den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Iran erneut bestätigt wurde, erodiert derzeit das Leitbild des demokratischen Kapitalismus. Auch in seinen einstigen Kernländern sieht sich der demokratische Kapitalismus einer tiefen Legimitationskrise ausgesetzt. In Europa wie in den USA machen sich faschistische und autokratische Kräfte breit; weder das Wohlstands- noch das Freiheitsversprechen sind in diesen Gesellschaften noch Konsens.