Faschismus als Prozess der Verrohung
Bild: Teilnehmer der rechten Demo »Wir für Deutschland«, 3.10.2018 (IMAGO / Christian Mang)
Seit dreißig Jahren, in manchen Nationen sogar schon länger, erleben wir einen Aufstieg des rechten Populismus. Ultrarechte Parteien werden nicht nur stärker, viele radikalisieren sich auch nach und nach – oder sogar rasend schnell. Und eine entscheidende Rolle spielt dabei ein Kult der Härte, der die schräge Allianz aus Neuem Faschismus und Ultraliberalen fest zusammenhält.
Konnte man vor einigen Jahren noch vom aufkommenden »Rechtspopulismus« sprechen, wäre das heute in vielen Fällen eine Verharmlosung. Rechtsextremismus oder Neuer Faschismus trifft es da schon weit besser, bedenkt man, dass sich faschistische Bewegungen durch eine Reihe von Eigenschaften auszeichnen: Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen vermeintliche innere Feinde.
Mittels maximaler negativer Emotionalisierung wird so die eigene Anhängerschaft in eine erregte und wütende Masse verwandelt. Diese wird zur »Bewegung« erklärt und die daraus resultierende Partei zur »Antipartei«, die angeblich gegen das Parteiensystem steht, obwohl sie selbst längst Partei ist.
Der US-Forscher Robert O. Paxton hat den Faschismus einmal als »emotionale Lava«, als eine »Angelegenheit des Bauchgefühls« beschrieben.