Ausgabe Mai 1992

Helfen Gesetze gegen Rassismus und Diskriminierung?

Das britische Beispiel

"Wir brauchen ein Antidiskriminierungsgesetz!" - Wer in Deutschland 1992 diese Forderung äußert, erntet zumeist verständnislos fragende Blicke. Daß es eine Diskriminierung und Benachteiligung der sogenannten "AusländerInnen" in Deutschland gibt, aber steht außer Zweifel. Menschen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit werden in Deutschland nicht nur wichtige politische Rechte vorenthalten, sie sind nicht "nur" in über 2300 BKAmtlich registrierten Fällen 1991 Opfer strafrechtlich relevanter Attacken gewesen 1), sie sind - das wird öffentlich kaum problematisiert - auch im Zugang zu Bildung, Arbeitsplätzen oder Wohnungen deutlich benachteiligt 2). Durch ein gesetzliches Verbot könnte versucht werden, Diskriminierung zu bestrafen und AusländerInnen vor Angriffen und Benachteiligungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Betrieb, Bildungswesen, dem Dienstleistungsbereich zu schützen 3).

Neben Toleranzappellen und aufklärerischen Bemühungen zum Abbau von Vorurteilen wäre dies ein handfesterer Versuch zur Herstellung von Gleichberechtigung, ohne die eine multikulturelle Gesellschaft kaum denkbar ist 4). Häufig angeführtes Beispiel für eine solche Politik ist in Deutschland und auf europäischer Ebene Großbritannien 5).

Mai 1992

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.