Ausgabe November 1992

Sanierung Ost durch Beteiligungsmodelle?

Die Treuhandanstalt hat laut eigenen Angaben seit ihrer Arbeitsaufnahme im Juli 1990 innerhalb von gut zwei Jahren rund 8780 Unternehmen und Betriebsteile privatisiert. Über 1700 Unternehmen mit ca. 260 000 Arbeitsplätzen wurden stillgelegt. Den vertraglich zugesicherten rund 1,2 Millionen Arbeitsplätzen in den veräußerten Unternehmen und Betriebsteilen steht ein massiver Arbeitsplatzabbau in allen Beteiligungsunternehmen gegenüber. Hier wurden bis heute rund 2 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Die Politik der Bundesregierung und der Treuhandanstalt hat in ihrer ordnungspolitischen Fehleinschätzung entscheidend zum industriellen Niedergang Ostdeutschlands beigetragen. Der bereits weit fortgeschrittenen Ent-Industrialisierung in den neuen Bundesländern kann nur entgegengewirkt werden, wenn die Treuhandanstalt ihren gesetzlich verankerten strukturpolitischen Sanierungsauftrag endlich wahrnimmt, die noch in Treuhandbesitz befindlichen größeren strukturbestimmenden Industrieunternehmen erhält und mittels aktiver Sanierungsmaßnahmen in einem angemessenen Zeitraum international wettbewerbsfähig macht. Zwischen Privatisierung und Sanierung

Bis Frühjahr 1991 folgte die Geschäftspolitik der Treuhandanstalt der Devise "Schnelle Privatisierung" durch Verkauf. Ihr zufolge ist Privatisierung die beste Form der Sanierung, erfolgt doch die Sanierung nach der Privatisierung durch den Erwerber.

November 1992

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Neoliberalismus