Ausgabe Januar 1993

FAZ-Deutsche

Der häßliche Deutsche geht um. Deutschlands größter Motorsägenproduzent Hans Peter Stihl hat als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) den politischen Parteien vorgeworfen, lange Zeit untätig im Kampf gegen den Rechtsextremismus geblieben zu sein. Man habe, sagt er, die "Auswüchse" zu leicht genommen und nicht erkannt, welche Wirkung die Gewalt von rechts für das Bild Deutschlands im Ausland habe - er meint den Export deutscher Motorsägen in alle Welt. Sogar bei Deutschlands größtem Rüstungs- und Autokonzern, bei Daimler, zieht man schon - vom Exportrückgang tief betroffen - die Reichskriegsflagge ein. Die Bekundungen der deutschen Exportindustrie, die modisch zum Nadelstreifenanzug - da kennt sie nichts - die Plakette trägt "Rühr meinen Kumpel nicht an", sie könnten darüber hinwegtäuschen, wie man in unserem Land wirklich denkt.

Doch davor behüten uns Helmut Kohl und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Gewiß, auch der Kanzler zeigte zwischen den Gesprächen über die zeitgemäße Ausgestaltung des Asylrechts die notwendige Betroffenheit: der "Anschlag" von Mölln sei eine "schreckliche Erfahrung und eine Schande".

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.