Eigentlich schlechte Zeiten für Konservative - die Champions unter den Besitzstandswahrern -, wenn alles anders werden muß (und sei es, damit alles beim alten bleibt). Am Pranger steht über Nacht, wessen der Wohlstandsbürger sich so lange in aller Unschuld freuen durfte: Das Haben- und Mehrhabenwollen, das Besitzstandsdenken eben, die einst erfolgreiche CDU-Wahlkampfparole "Keine Experimente", vertraute Gewohnheiten, mehr oder weniger wohlerworbene Rechte und Ansprüche - lauter "Werte", die in der alten Bundesrepublik immer wieder Konservativen und Liberalen die Wähler zutrieben (Erhard: "Wohlstand für alle") und für die Adenauers Enkel plötzlich nur noch Hohn und Spott übrig haben... Standortdebatte heißt das erstaunliche Schauspiel. Der Berg hat gekreißt. Monatelang vorangekündigt, nach Versuchsballons, Vorentwürfen, die eilig wieder kassiert wurden, amtlicher Heimlichtuerei liegt die Maus auf dem Tisch: der "Bericht der Bundesregierung zur Zukunftssicherung des Standortes Deutschland", 110 Seiten, vorgelegt von Wirtschaftsminister Rexrodt am 2. September (im folgenden zitiert: Rexrodt). Worum es im Kern geht, steht allerdings präziser in der Vorlage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V., dem einen Monat zuvor veröffentlichten Papier "Produktionsstandort Deutschland" (Köln, August 1993, 52 Seiten).
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.