Ausgabe Januar 1994

Solidarpakt anders

I

Die Wirtschaftspolitik zur Bewältigung der Vereinigung der beiden deutschen Staaten hat in den letzten drei Jahren nicht zum gewünschten Erfolg geführt - zumindest nicht in der erhofften Geschwindigkeit. Das steht mittlerweile nicht nur außer Frage, sondern wird auch bis zum Überdruß wiederholt. Die Vereinigung hat der Wirtschaft in den alten Bundesländern zunächst kräftige Gewinne beschert. Der Abstand zwischen West und Ost hat sich erst einmal noch erhöht.

Noch hält sich das ökonomische Elend in den neuen Ländern in Grenzen - zumindest durch die Brille der Statistik betrachtet.

Doch der Weg von anhaltender Arbeitslosigkeit in die Armut ist kurz. Millionen Menschen sind von sozialem Abstieg ernsthaft bedroht. Da erscheint die wirtschaftliche Flaute im Westen der Republik besonders beunruhigend. Vor der Vereinigung wurde von Politikern immer wieder behauptet, daß der Aufbau im Osten ohne Opfer für die alten Bundesländer bewerkstelligt werden könne. Ebenso eindringlich wird jetzt "Teilen" gefordert, auch in ökonomischer Hinsicht.

Aber diese Aufforderung bleibt fast immer auf eine merkwürdige Weise vage. Manchmal klingt sie gar nur wie ein Appell zum Maßhalten an andere.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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