Ausgabe März 1994

Krieg der Zivilisationen oder dritte Dekolonisation?

Samuel P. Huntingtons Paradigma der Internationalen Beziehungen

Samuel P. Huntingtons Paradigma der Internationalen Beziehungen

Von Norman Paech Im vergangenen Sommer erschien in der angesehenen amerikanischen Zeitschrift "Foreign Affairs" ein Artikel von Samuel P. Huntington unter der Überschrift "The Clash of Civilizations?" Ziel dieses Aufsatzes war, wie Huntington es in der Antwort an seine Kritiker in einem der folgenden Hefte ausführte, die Ablösung des Paradigmas vom Kalten Krieg zur Erklärung internationaler Beziehungen durch ein neues das Z i v i l i s a t i o n s P a r a d i g m a 1). Ein weitreichender Anspruch nicht nur in Richtung große Theorie, sondern auch in Hinblick auf die strategische Praxis. Huntington, Direktor des John M. Olin Institute for Strategic Studies an der Harvard-Universität, hat dieses praktische Element zweifellos nicht minder gezielt im Auge. Er hat Erfahrung in der Politikberatung seit der ReaganÄra. Und auch das Projekt, dem dieses Papier entstammt, "The Changing Security Environment and American National Interests", ist nicht allein der akademischen Lehre geschuldet und auf das College beschränkt. Der Bedarf an strategischer Neuorientierung war nach dem Untergang des sowjetischen Lagers für die USA unabweisbar geworden. Präsident Bill Clinton hatte sie in seiner Rede vom 12. Dezember 1991 an der Georgetown University eingefordert.

März 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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