Ausgabe Juni 1995

Demaskierung auf Mexikanisch

"Warum soviel Aufhebens um die Maskierung der Zapatisten? Herrscht denn in nicht in ganz Mexiko eine Kultur der Vermummung? Ich bin bereit, die Kapuze abzunehmen, wenn die mexikanische Gesellschaft ebenfalls ihre Maske ablegt. Viele sehen nur den maskierten Teil von Mexiko: eine schöne, moderne Maske. Aber dahinter verbirgt sich ein Monster, das bereit ist zu morden, um an der Macht zu bleiben." Subcomandante Marcos, Sprecher der Zapatistenguerrilla EZLN

Fünf Thesen zur Dimension der Krise

1. Schon seit Beginn des vergangenen Jahres werden die Grundfesten der einstigen Musterrepublik von einem dreifachen Beben erschüttert: zunächst zertrümmerte die radikaldemokratische Zapatistenrevolte, weniger durch ihre Waffen als durch das millionenfache Echo im ganzen Lande, den jahrzehntelang gepflegten Mythos vom sozialen Frieden im postrevolutionären Mexiko. Gleichzeitig zerfällt die politische Klasse, die seit 68 Jahren regierende revolutionär-institutionelle Staatspartei PRI, in aller Öffentlichkeit: Die bislang sorgsam zugedeckten "Kloaken der Macht" öffnen sich - heraus kommen Skandale, mörderische Fraktionskämpfe, politische Attentate und Drogenfilz, die die PRI-Regierung trotz gewonnener Wahlen in eine anhaltende Legitimationskrise stürzen. Und schließlich kracht mit der überfallartigen Abwertung vom 20.

Juni 1995

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema