Ausgabe Dezember 1995

Laune verdorben

Wetten, daß... ist eine der ältesten Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens. Schon die beliebten bunten Abende aus den 50er und 60er Jahren, moderiert von den legendären Kuhlenkampffs und Frankenfelds, verbanden Zuschauerspiele und Musiknummern zu einem Erfolgsrezept, das anscheinend bis heute funktioniert: Eine Bühnenshow, jedesmal in einer anderen Stadt, bietet den theatralischen Rahmen für eine einmalige Aufführung, bei der das Fernsehen eigentlich nur als Aufzeichnungs- und Verbreitungsmedium fungiert für ein Ereignis, das prinzipiell auch ohne diese Übertragung (und ihre Wiederholung) stattfinden könnte. Prinzipiell: Denn ohne die Beteiligung des Fernsehens würde der Aufwand an Technik und Prominenz natürlich zu teuer werden.

Trotzdem hat das fast schon museale Arrangement Auswirkungen auf - wenn der Ausdruck erlaubt sein mag - den Geist der Sendung. Wenn die Moderatoren ihre Witze machen, Prominenz sich geistreich zeigt und Menschen wie du und ich seltsame Aufgaben lösen, dann ist eine Atmosphäre des unschuldigen Amüsements gesichert, die wenigstens für die zwei Stunden garantiert ist, in denen die Saaltüren verschlossen bleiben.

Dezember 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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